Protokoll vom 12.09.14

Thema der Stunde: Analyse von Doris’ und Huberts Gefühlen bei ihrem Wiedersehen (Textstelle: Z.408-446)
Fragestellung: Liebt Doris Hubert noch und muss dann resigniert feststellen dass es ihm nur um das Geld geht oder sind auch ihre Gefühle für ihn längst vergangen?

Zunächst ist festzustellen, dass Doris den Geschlechtsverkehr zwischen ihnen als “kalt” beschreibt, was darauf hindeutet, dass auch ihre Gefühle bereits vergangen waren. Trotzdem schläft sie mit ihm, möglicherweise könnte man dies als Hoffnung auf Liebe deuten.

Eine wichtige Stelle im Text, die wir nicht ganz deuten konnten, was Doris’ Aussage sie wollte Gefühle aus sich reißen für Hubert. Je nachdem wie man dies deutet, könnte man es so verstehen, dass Doris entweder sich selbst zu Gefühlen für ihn zwingen will, oder aber die vorhandenen Gefühle aus sich reißen will um sie hinter sich lassen zu können. Abhängig davon wie diese Textstelle gedeutet wird, ist wohl auch die Antwort auf die Frage, ob Doris Gefühle für Hubert zu Beginn der Szene noch echt sind.

Einige Dinge sind jedoch sicher festzustellen. Im bisherigen Verlauf des Romans kommt Hubert bereits zur Sprache und Doris erwähnt dass sie ihm das Gefühl geben wollte er habe sie “bekommen”. Dies zeigt, dass er in der Beziehung superior war. Bei ihrem Wiedertreffen übernimmt Doris die superiore Rolle – er ordnet sich durch seine Bittstellung unter. Mit dieser “Macht” kann Doris nicht umgehen und gibt Hubert letzten Endes doch die Möglichkeit superior zu sein, indem sie ihn das Verhältnis endgültig beenden lässt.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Veränderung von Doris Weltansicht. Durch Hubert ist ihre Vorstellung von Beziehungen desillusioniert worden: für sie soll es nur noch um den Nutzen in einer Beziehung gehen. Sprachlich lässt sich dies anhand der Personifikation des Pelzes erkennen. Er steht für die Oberschicht und das damit verbundene Geld, dass als Ersatz für Liebe dienen soll.

Abschließend ist noch festzustellen, dass sich Doris eindeutig vom traditionellen Frauenbild abhebt und somit dem neuen Frauenbild der vorherrschenden Epoche entspricht:

– Wunsch nach Autonomie (Flucht nach Berlin)
– Streben nach Reichtum
– Abgrenzung vom bürgerlichen Leben
– Idealbild von Beziehung: materialistische Zwecke

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Eine Antwort auf Protokoll vom 12.09.14

  1. MEL sagt:

    Hannah, bitte korrigieren: Sie hebt sich nicht vom Frauenbild der neuen Sachlichkeit ab, sondern vom traditionellen Frauenbild. Sie entspricht dem neuen Frauenbild dieser Zeit!

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