Protokoll vom 08.05.2017

Protokollant: Paula Euler

Thema der Stunde: Der Grund für Gregor Samsas Verwandlung

Zu Beginn der Stunde am 08.05.2017 hält Rebecca ein Referat über den Vater-Sohn-Konflikt von Kafka, im Bezug zum „Brief an den Vater“. Sie bezieht sich dabei auf die Bücher „die Verwandlung“ und „der Process“ und vergleicht die Vater-Sohn-Beziehung in besagten Büchern zu der Vater-Sohn Beziehung, die Kafka mit seinem Vater führte, so wie sie in dem „Brief an den Vater“ deutlich wird.

Anschließend verknüpfen wir die ergebnisse der letzten Stunde mit dem Referat und greifen hierzu nocheinmal die Ich-Theorie nach Sigmund Freud auf:

Das ES repräsentiert die Triebe des Menschen, so wie Hunger oder Durst. Es handelt unbewusst und liegt in der Natur des Menschen. Das ÜBER-ICH ist das genaue Gegenstück zum ES. Es wird im Laufe des Lebens gebildet und gibt vor, was „richtig“ und was „falsch“ ist. Es handelt somit nach dem, was die Gesellschaft verlangt. Das ICH ist das Mittelmaß zwischen ES und ÜBER-ICH und wird dabei von dem ES getrieben, bekommt vom ÜBER-ICH jedoch Befehle, wie es sich zu verhalten hat. 

Der Vater repräsentiert in der oben genannten Theorie das ÜBER-ICH, da er klare Vorschriften, Regeln und Erwartungen gegenüber Gregor hat. Er unterdrückt Gregors Bedürfnisse (somit das ES). Es herrscht ein Ungleichgewicht von ÜBER-ICH und ES, wodurch es zu einer gestörten Persönlichkeit von Gregor gekommen ist. Gregor existiert kaum noch selber. Er repräsentiert nur noch die Erwartungen, die der Vater von ihm hat.

Zu Beginn der Geschichte hat Gregor Samsa sich in einen Käfer verwandelt. Dieser soll das ES repräsentieren, da er nur von seinen Trieben gesteuert wird, ohne Regeln und Vorschriften beachten zu müssen.

Kristina und Jana formulierten anschließend jeweils eine These, die den Grund für die Verwandlung, der in dem Roman nicht genannt wird, erklären soll:

  1. Der Käfer ist nach der Verwandlung eine Repräsentation des ES. Gregor hat sich so vom ÜBER-ICH befreit und es fällt komplett weg.
  2. Gregor wurde durch das zu starke ÜBER-ICH so deformiert und gestört, dass er zusammenbricht. Das einzige was von ihm übrig bleibt, ist der Käfer.

Anschließend werden Argumente für und gegen beide Thesen gesammelt:

für 1:

+ Das ES wird stärker hervorgehoben, da Gregor als Käfer nach seinen Trieben handeln kann und seine Grundbedürfnisse befriedigen kann. Er muss sich nicht an gesellschaftliche Normen, wie arbeiten oder sich waschen, halten.

-Es kommt nicht zu einer Befreiung, da Gregor sich immer noch an bestimmte (ungeschriebene) Verhaltensregeln halten muss (z.B. Gregor muss dauernd in seinem Zimmer bleiben).

jedoch: Gregor fängt an, sich nicht mehr an alle Regeln zu halten. Das ES gewinnt an Stärke und das ÜBER-ICH verliert immer mehr mit der Zeit (z.B. Gregor verlässt doch einmal sein Zimmer, um der Schwester beim Geige spielen zusehen und zuhören zu können). Gregor ist somit auf dem Weg zur Befreiung. Die Verwandlung ist aus diesem Grund ein fortlaufender Prozess. Man sricht auch von den Phasen der Verwandlung, auf die wir in der nächsten Stunde am 11.05.2017 weiter eingehen werden.

für 2:

+ weder das ÜBER-ICH, noch das ES dominieren → Gregor kann immer noch nicht machen, was er will