Protokoll der Deutschstunde am 12.06.2017

Protokoll der Deutschstunde am 12.06.2017

Protokollant: Tomke Kremer

Thema: Deutungsansätze für den Roman „die Verwandlung“ von Franz Kafka

 

Zu Beginn der Einzelstunde vom 12.06 wird das Thema der Vielfältigkeit von Interpretationen von Kafkas Romanen aufgegriffen. Da Kafkas Erzählungen sehr vielschichtig sind, entstanden mit der Zeit einige Hauptströmungen von Interpretationen. Wir befassen und anschließend mit fünf Deutungsansätzen für „die Verwandlung“, welche wir in die Kategorien psychologisch, gesellschaftspolitisch, biografisch und metaphysisch einteilen. Deutlich wird dabei, dass die Interpretationen immer eine Sachebene, bei welcher der innere Auslöser für die Verwandlung gesucht wird, und eine Bildebene, in der die Käfer Metapher übertragen wird, enthalten.

Der erste gegebene Deutungsansatz wurde am 16.4.1619 von Eugen Löwenstein im „Prager Tagesblatt“ formuliert und veröffentlicht. Er fokussiert sich dabei auf eine biografische und psychologische Interpretation, wobei Kafkas Leben und dessen Probleme zu seinem Vater mit dem Vater-Sohn-Konflikt von Gregor und seinem Vater in Verbindung gebracht werden.

Der zweite ebenfalls psychologische, aber auch metaphysische,  Deutungsansatz wurde von Hellmut Kaiser aufgestellt. Laut ihm habe ausschließlich eine innere Verwandlung Gregors stattgefunden, nach der Gregor sich selbst als Käfer sehe und fühle. Die Verwandlung sei also nur eine Illusion Gregors, die nach dieser Interpretation ebenfalls auf dem Vater-Sohn-Konflikt basiere.

Eine weitere Interpretation wird im Oktober 1916 von Kafkas gutem Freund Max Brod verfasst, welcher ebenfalls für die Veröffentlichung von Kafkas Werken, entgegen dessen Bitte sie zu vernichten, gesorgt hatte. Seine Deutung hat einen gesellschaftspolitischen und psychologischen Ansatz, laut dem Gregors Gemeinschaftsgefühl verschwindet und dieser sich das Vergehen der Verwandlung selbst verschulde.

Die beiden letzten Deutungen basieren auch auf einem gesellschaftspolitischem Grund für die Verwandlung Gregors. Sie wurden von Karl Storck 1920 und Helmut Richter 1962 aufgestellt und gehen beide von einer Leistungsgesellschaft aus. Nach Karl Strocks Theorie stehe Gregor völlig außerhalb der menschlichen Gesellschaft und verwandele sich daher in ein Ungeziefer. Helmut Richter sieht den Grund der Verwandlung in dessen Versagen seiner menschlichen Aufgabe, da er seine Arbeit als Reisender Kaufmann nicht mehr so gut erledige wie vorher.

 

Nach dem Deutungsansatzes von Max Brod kommen wir am Ende der Stunde erneut auf die Fragestellung der vorherigen Stunde, ob Gregor für seine Verwandlung und seinen darauf folgenden Tod selbst verantwortlich ist. In der Geschichte ist deutlich ein krankhaftes Verhaltensmuster Gregors zu beobachten, welches sowohl von der Gesellschaft als auch von seinem Stand in der Familie beeinflusst wird. Es wird jedoch keine Reue und kein Schuldzugeständnis Gregors direkt geäußert. Hierbei ist eine Referenz zu weiteren Werken Kafkas zu erkennen, wie zum Beispiel zu „der Prozess“, in dem ebenfalls nie die Straftat, für die der Protagonist beschuldigt wird,  angesprochen wird.

 

 

 

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