Protokoll vom 12.10.17 und vom 13.10.17

Die Stunde am Donnerstag, dem 12.10.17 begann mit dem neuen Thema, der Kunstrichtung, „Die Neue Sachlichkeit“. Dies ist eine Gegenbewegung zum Expressionismus und kann ungefähr in die Zeitspanne von 1918-1930 eingeordnet werden. Die „Neue Sachlichkeit“ beruht auf einer objektiven und distanzierten Beschreibung und enthält hauptsächlich Ereignisse aus dem bürgerlichen Milieu/ Arbeitermilieu. Sie wird auch als eine Richtung der Literatur der Weimarer Republik bezeichnet. Die Weimarer Republik ist durch die Vermehrung der Rechte, Freiheiten und der Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau gekennzeichnet. Diese Epoche spielt hauptsächlich in Berlin und hatte auch viele Einflüsse auf Musik, Filme etc.

Mit dieser Kunstrichtung wollte man auch die Gleichberechtigung ausbreiten, indem die Literatur nicht mehr wie früher nur für die Intellektuellen war, sondern für alle, weswegen man sie auch Gebrauchsliteratur nennt.

Passend zu dem Thema beschrieben und analysierten wir das Bild „Marcella“ von Christian Schad aus dem Jahre 1926:

Marcella, 1926 - Christian Schad

Obwohl die Ersteindrücke zu Beginn ziemlich kontrovers waren, schien das Bild im Allgemeinen sehr realistisch, emotionslos bzw. nüchtern. Die Frau verdeutlicht die Klarheit und Einfachheit der damaligen Situation und präsentiert das neue Frauenbild der damaligen Zeit.

Das Bild verglichen wir anschließend mit einem Zitat aus derselben Zeit: „Nichts ist verblüffender als die einfache Wahrheit. Nichts ist fantasievoller als die Sachlichkeit.“

Dieses Zitat drückt die Überzeugungskraft der einfachen Realität aus, die keine Übertreibungen nötig hat, um verstanden zu werden. Die Wahrheit wird somit realistisch und nüchtern geschildert. Bezogen auf das Bild „Marcella“ steht die Frau (bzw. der Blick der Frau) für die emotionslose Wahrheit. Der Hintergrund und alle anderen nebenstehenden Dinge sind realistisch und sachlich, also wahrheitsgetreu, abgebildet.

Zusammenfassend dient diese neue Epoche dazu, die Wahrheit anhand von sachlichen Darstellungen und Beschreibungen zu demonstrieren und auf diese aufmerksam zu machen. Die Literatur beruht auf nüchternen, klaren und einfachen Schilderungen.

Da die „Neue Sachlichkeit“ eine Gebrauchsliteratur ist, wurden viele Tagebucheinträge in Form von Romanen veröffentlicht. Der Grund dafür ist, dass Tagebücher meist in einfacher und alltäglicher Sprache geschrieben und somit für Menschen jeder sozialen/gesellschaftliche Klasse verständlich sind. In der zweiten Hälfte der Stunde analysierten wir einen Romananfang, der aus Tagebucheinträgen besteht. Wie zuvor genannt, werden Umgangssprache, wörtliche Rede und Spiegelstriche gebraucht. Diese sprachlichen Auffälligkeiten sind Beweise für das bloße Niederschreiben der Gedanken, ohne diese in gehobene Sprache umzuformulieren. Diese persönliche und einfache Schreibweise enthält ebenso Jargons wie z.B. „Entenpopo“. Die Spiegelstriche stellen den Text sehr assoziativ dar, sodass den Text kein roter Faden durchläuft, weswegen der Text sehr unstrukturiert wirkt, ebenso wie es unsere Gedanken sind. Kurze oder nicht ausformulierte Sätze, Aneinanderreihungen und die häufige Verwendung der Konjunktion „Und“ unterstützen die Wirkung, als sei die gesprochene Sprache aufgeschrieben worden.

Im Allgemeinen ist die Sprache einer einfachen Bürgerin zu erkennen.

In der Deutschstunde an dem Freitag den 13.10.17 analysierten wir denselben Romananfang auf direkte und indirekte Charakteristika der Person Doris.

Doris ist eine 18 Jahre alte, schwarzhaarige, getaufte und christliche junge Dame, die aus dem Arbeitermilieu stammt (vgl. Z.32-33). Sie möchte auf dem gesellschaftlichen Rang aufsteigen  und zu etwas „Besserem“ werden (vgl Z.23-24, Z.25-26, Z. 16). Deswegen ist sie auf ihr Aussehen bezogen perfektionistisch bzw. körperbewusst (vgl Z.26). Im Allgemeinen fällt es ihr schwer „nein“ zu sagen (vgl. Z.6). Sie war ein Mal verliebt (vgl Z.13)und spricht im Gegensatz zu ihren Eltern fast ohne Dialekt (vgl. Z.18-19), was ihr wichtig zu sein scheint.

Indirekt erfahren wir, dass Doris nicht akademisch ist bzw. keinen hohen Bildungsstand besitzt (vgl. Z.37, 46f) und dennoch einen gesellschaftlichen Aufstieg erlangen möchte (vgl Z.18-20). Sie führt einen exzessiven Lebensstil (vgl Z. 5ff), ist realitätsfern (vgl Z.22-23), naiv und träumt viel (vgl. Z. 24, 46-47).

Alles in Allem kann man aus dieser Charakterisierung ableiten, dass Doris‘ Selbstbild nicht mit der Realität übereinstimmt und ihre Lebenssituation sehr von ihrer Zukunftsprojektion abweicht.

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