Protokoll vom 14.12.17 und 15.12.17

Die Stunde vom 14.12. beginnt mit der Wiederholung und der Ergänzung der Tabelle zur modernen und traditionellen Erzählweise, wobei diese Tabelle gegliedert wurde in „Weltbild/Werte“, „Metaphysik/Religion“, „Mensch“, „Held“, „Bildung“ und „Darstellungsform“.  Herr Meltzow weist darauf hin, dass die traditionelle und moderne Erzählweise nicht rein zeitlich betrachtet und unterschieden werden dürfen.

Weltbild/Werte:
  • Traditionell: Geschlossen, harmonisch, Gut und Böse ist erkennbar
  • Modern: Gespalten, kompliziert, Werteverfall
Metaphysik/Religion:
  • Traditionell: Religion gibt Werte vor, häufig wird Mythos oder Fiktionalität erst im Laufe der Geschichte klar
  • Modern: Wird Aufgelöst, verliert an Bedeutung, wird zur Förmlichkeit, Realitätsfern, Fiktionalität deutlich
Held:
  • Traditionell: Held aus Oberschicht, Gut, starke Persönlichkeit
  • Modern: Kein Held sondern Protagonist, aus Proletariat, weder Gut noch Böse zuzuordnen, gespalten, orientierungslos (Bezug zu Werteverfall)
Mensch:
  • Traditionell: In Einklang mit Umwelt
  • Modern: Weltoffen, verloren, Anonym
Bildung:
  • Traditionell: Wichtig, Streben nach Bildung, Böses ist triebhaft, Oberschicht gebildeter
  • Modern: Vergnügungssucht, Triebhaft, größere Teile der Gesellschaft sind gebildet
Darstellungsform:
  • Traditionell: Klarer Aufbau, klare Gestaltungsgrenzen, meist chronologisch, gehobene Sprache, häufig auktorialer Erzähler (Distanz zu Geschehen)
  • Modern: Auflösung der Struktur und Vermischung, Montage, komplexe Gliederung, häufig Dialekt oder Jargon, häufig personaler Erzähler (Hineinversetzen in Lage)

Anschließend wurde versucht, Doris‘ Geschichte der traditionellen oder der modernen Erzählweise zuzuordnen, wobei alles auf eine moderne Erzählweise hindeutet:

  • Doris‘ Welt ist nicht harmonisch und geschlossen, sondern kompliziert und gespalten
  • Doris ist als Protagonistin weder Gut noch Böse
  • Sie möchte sich emanzipieren, wobei sie zwei Arten von Vorbildern hat:
    • Schauspielerinnen: sind nicht repräsentativ, da sie eher die Ausnahme darstellen -> unrealistisch
    • Ältere, wohlhabende Damen: Widersprechen ihrem Wunsch nach Emanzipation, da diese lediglich reich heiraten und ihren Erfolg nicht selber erlangen

Herr Meltzow fragt, welche Ratschläge die Schüler aus dem Kurs Doris geben würden und welche Methoden sie nutzt um ihren Erfolg zu erreichen.

Als einzige Methode für das Erreichen ihrer Ziele wurde das „Hochschlafen“, bzw. die Prostitution herausgestellt.

Dabei lassen sich die Ratschläge unterschiedlich zuordnen:

  • Doris sollte selber Erfolge erzielen und sich dabei nicht auf andere verlassen
    • Ratschlag trifft auf Widerspruch, da dies leichter gesagt als getan sei, da es zu der Zeit für Doris schwierig gewesen sei eine vernünftige Arbeit zu finden, mit der sie zufrieden wäre (Arbeit als Sekretärin nicht befriedigend)
  • Doris sollte sich kleinere Ziele setzen um schneller mehr Erfolge zu erreichen (soll Selbstbewusstsein stärken), muss jedoch selber wissen wie sie ihre Ziele erreichen möchte
    • Auch dieser Rat trifft auf Kritik, da Doris jemanden brauche, der ihr ihre Grenzen aufzeigt, da sie durch ihre Methoden ihre Ziele zu erreichen ausgenutzt wird und der Respekt vor ihr verloren geht

=> Zusammenfassend wird festgehalten, dass Doris durch ihre Naivität von Männern ausgenutzt wird, was wiederum auf den Werteverfall, welcher bereits von der Gesellschaft akzeptiert wird, zurückzuführen ist.

 

An diesem Punkt beendet Herr Meltzow die Diskussion und macht einen Sprung in die Literatur der 30er und 40er Jahre und damit in die Zeit der Zensur der Literatur.

Dabei erklärt Herr Meltzow den die zwei unterschiedlichen Typen von Autoren zu dieser Zeit und unterscheidet dabei in die Autoren, die immigrieren (z.B. Juden), und die Autoren, die bleiben und nur innerlich immigrieren (Mit dem Kopf auswandern um auszudrücken, was sie nicht denken dürfen), wobei die Autoren alle instrumentalisiert werden und nur noch schreiben dürfen, was ihnen der Staat vorgibt. Hierbei wird wieder unterschieden in Autoren, die sich dem beugen und die, welche schreiben, jedoch nicht veröffentlichen. Als Beispiele nennt Herr Meltzow hier Thomas Mann, welcher in die Schweiz und schließlich nach Amerika auswanderte, und Berthold Brecht, welcher als Kommunist verfolgt wurde.

Herr Meltzow beschreibt die Diskussion, welche zwischen beiden Typen von Autoren entstand:

Die Autoren, welche blieben und vor Ort waren und ihre Literatur erst nach Kriegsende veröffentlichten, warfen den immigrierten Autoren vor, nur aus der sicheren Ferne beschrieben zu haben.

Anschließend zeigt Herr Meltzow ein Video vom zerstörten Berlin mit der Fragestellung: „Was kann man als Autor jetzt noch schreiben?“ Hierbei gab es verschiedene Ansätze:

  • Beschreibung des Zustand und des Aufbaus der Stadt (Erzählung oder Fiktional)
    • „Trümmerliteratur“
  • Beschreibung der Gefühle und Vorstellungen (z.B. Biographien)
    • „Trümmerliteratur“
  • Utopie über Zukunft
  • Veröffentlichung der bisher verbotenen Literatur aus dem Krieg
  • Dokumentation traumatischer Erlebnisse
  • Kahlschlag in der Literatur, „Stunde 0″, Neuanfang

 

Protokoll vom 15.12.17

Herr Meltzow verteilt das Arbeitsblatt „ Kahlschlag und Trümmerliteratur“ und gibt den Auftrag die Aufgaben zu bearbeiten.

Erläuterungen:

Lila: hier Entweichen des Lebens, metaphorisch

Dickicht: Bereich, der nicht gut zugänglich ist

Rilke-Herz: Rilke: deutscher Dichter, verfasste ergreifende Gedichte

Besprechung der ersten Aufgabe:

„Welches Zeitbewusstsein, welches Lebensgefühl äußert sich in diesen Texten?“

  • Einsamkeit, Trauer
  • Auf sich allein gestellt sein, jedoch trotzdem zusammenhalten (gemeinsames Schicksal)
  • Armut und Tod ist sehr präsent
  • Menschen sehen sich als Verlierer des Kriegs
  • Menschen sehen sich als Opfer des Nationalsozialismus
    • Jedoch: Keine Erleichterung über das Ende des Kriegs, sondern Wut und Trauer über Geschehnisse
  • Die Frage „Wie soll es weiter gehen?“
  • Der Wunsch alles neu aufzubauen
  • Die Autoren fordern, dass nur noch die Wahrheit geschrieben werden soll

 

 

Protokoll 09.11.17

Die Leitfrage der Stunde war, inwiefern der Roman Das Kunstseidene Mädchen in die Epoche der Neuen Sachlichkeit passt.

Der Roman lässt sich der Gebrauchsliteratur zuordnen, er ist also umgangssprachlich verfasst. Dies ist ein wichtiges Merkmal, das man gut in die Epoche einordnen kann. Nach dem Ersten Weltkrieg änderte sich einiges in Deutschland hinsichtlich gesellschaftlicher Stellung von Kunst und Literatur. Diese wurde nun für die Mehrheit der Gesellschaft intellektuell und realisiert zugänglich. Im vorliegenden Roman wird dies durch den einem Tagebuch-ähnlichen Schreibstil deutlich. Dadurch wirkt der Roman authentisch, realistisch und nicht beschönigend. Zudem thematisiert Das Kunstseidene Mädchen wichtige gesellschaftliche und kulturelle Entwicklung der Epoche. Nach dem ersten Weltkrieg schritt der Prozess der Verstädterung schnell fort. Dadurch entwickelten sich europäische Großstädte zu Kultur- und Gesellschaftsmittelpunkten. Dabei spielte nun auch der amerikanische Kultureinfluss eine Rolle, der den Film als neues Medium mit sich brachte. Gesellschaftlicher Aufstieg wurde angestrebt, wie auch von Doris im Roman Das Kunstseidene Mädchen. In Großstädten entstand eine regelrechte Vergnügungssucht. Dabei wirkt diese Entwicklung realitätsfern und abgeschottet von parallel ablaufenden Entwicklung. Neben wachsendem Reichtum herrschte in vielen Teilen Deutschlands und Europas große Armut und Hunger als Folgen des Krieges und der generellen Einfachheit auf dem Land. Dieser Teil der Gesellschaft war sehr konservativ und traditionell  geprägt. Dies brachte neue Probleme hervor, die auch Doris im Roman beschreibt: ihre Heimatstadt und Familie sind eher traditionell, während sie und viele Gleichaltrige gesellschaftlichen Aufstieg und moralische Offenheit anstreben. Frauen hatten rechtlich, wie gesellschaftlich mehr Rechte, was diese Disparitäten nur noch verdeutlicht.

Zusammengefasst kann man sagen, dass der Roman Das Kunstseidene Mädchen sehr gut in die Epoche Neue Sachlichkeit passt. Dabei stellt der Roman viele dieser Eindrücke wie neue Moralvorstellung und gesellschaftlicher Aufstieg aus einer persönlichen und direkten Perspektive dar.

 

Protokoll vom 12.10.17 und vom 13.10.17

Die Stunde am Donnerstag, dem 12.10.17 begann mit dem neuen Thema, der Kunstrichtung, „Die Neue Sachlichkeit“. Dies ist eine Gegenbewegung zum Expressionismus und kann ungefähr in die Zeitspanne von 1918-1930 eingeordnet werden. Die „Neue Sachlichkeit“ beruht auf einer objektiven und distanzierten Beschreibung und enthält hauptsächlich Ereignisse aus dem bürgerlichen Milieu/ Arbeitermilieu. Sie wird auch als eine Richtung der Literatur der Weimarer Republik bezeichnet. Die Weimarer Republik ist durch die Vermehrung der Rechte, Freiheiten und der Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau gekennzeichnet. Diese Epoche spielt hauptsächlich in Berlin und hatte auch viele Einflüsse auf Musik, Filme etc.

Mit dieser Kunstrichtung wollte man auch die Gleichberechtigung ausbreiten, indem die Literatur nicht mehr wie früher nur für die Intellektuellen war, sondern für alle, weswegen man sie auch Gebrauchsliteratur nennt.

Passend zu dem Thema beschrieben und analysierten wir das Bild „Marcella“ von Christian Schad aus dem Jahre 1926:

Marcella, 1926 - Christian Schad

Obwohl die Ersteindrücke zu Beginn ziemlich kontrovers waren, schien das Bild im Allgemeinen sehr realistisch, emotionslos bzw. nüchtern. Die Frau verdeutlicht die Klarheit und Einfachheit der damaligen Situation und präsentiert das neue Frauenbild der damaligen Zeit.

Das Bild verglichen wir anschließend mit einem Zitat aus derselben Zeit: „Nichts ist verblüffender als die einfache Wahrheit. Nichts ist fantasievoller als die Sachlichkeit.“

Dieses Zitat drückt die Überzeugungskraft der einfachen Realität aus, die keine Übertreibungen nötig hat, um verstanden zu werden. Die Wahrheit wird somit realistisch und nüchtern geschildert. Bezogen auf das Bild „Marcella“ steht die Frau (bzw. der Blick der Frau) für die emotionslose Wahrheit. Der Hintergrund und alle anderen nebenstehenden Dinge sind realistisch und sachlich, also wahrheitsgetreu, abgebildet.

Zusammenfassend dient diese neue Epoche dazu, die Wahrheit anhand von sachlichen Darstellungen und Beschreibungen zu demonstrieren und auf diese aufmerksam zu machen. Die Literatur beruht auf nüchternen, klaren und einfachen Schilderungen.

Da die „Neue Sachlichkeit“ eine Gebrauchsliteratur ist, wurden viele Tagebucheinträge in Form von Romanen veröffentlicht. Der Grund dafür ist, dass Tagebücher meist in einfacher und alltäglicher Sprache geschrieben und somit für Menschen jeder sozialen/gesellschaftliche Klasse verständlich sind. In der zweiten Hälfte der Stunde analysierten wir einen Romananfang, der aus Tagebucheinträgen besteht. Wie zuvor genannt, werden Umgangssprache, wörtliche Rede und Spiegelstriche gebraucht. Diese sprachlichen Auffälligkeiten sind Beweise für das bloße Niederschreiben der Gedanken, ohne diese in gehobene Sprache umzuformulieren. Diese persönliche und einfache Schreibweise enthält ebenso Jargons wie z.B. „Entenpopo“. Die Spiegelstriche stellen den Text sehr assoziativ dar, sodass den Text kein roter Faden durchläuft, weswegen der Text sehr unstrukturiert wirkt, ebenso wie es unsere Gedanken sind. Kurze oder nicht ausformulierte Sätze, Aneinanderreihungen und die häufige Verwendung der Konjunktion „Und“ unterstützen die Wirkung, als sei die gesprochene Sprache aufgeschrieben worden.

Im Allgemeinen ist die Sprache einer einfachen Bürgerin zu erkennen.

In der Deutschstunde an dem Freitag den 13.10.17 analysierten wir denselben Romananfang auf direkte und indirekte Charakteristika der Person Doris.

Doris ist eine 18 Jahre alte, schwarzhaarige, getaufte und christliche junge Dame, die aus dem Arbeitermilieu stammt (vgl. Z.32-33). Sie möchte auf dem gesellschaftlichen Rang aufsteigen  und zu etwas „Besserem“ werden (vgl Z.23-24, Z.25-26, Z. 16). Deswegen ist sie auf ihr Aussehen bezogen perfektionistisch bzw. körperbewusst (vgl Z.26). Im Allgemeinen fällt es ihr schwer „nein“ zu sagen (vgl. Z.6). Sie war ein Mal verliebt (vgl Z.13)und spricht im Gegensatz zu ihren Eltern fast ohne Dialekt (vgl. Z.18-19), was ihr wichtig zu sein scheint.

Indirekt erfahren wir, dass Doris nicht akademisch ist bzw. keinen hohen Bildungsstand besitzt (vgl. Z.37, 46f) und dennoch einen gesellschaftlichen Aufstieg erlangen möchte (vgl Z.18-20). Sie führt einen exzessiven Lebensstil (vgl Z. 5ff), ist realitätsfern (vgl Z.22-23), naiv und träumt viel (vgl. Z. 24, 46-47).

Alles in Allem kann man aus dieser Charakterisierung ableiten, dass Doris‘ Selbstbild nicht mit der Realität übereinstimmt und ihre Lebenssituation sehr von ihrer Zukunftsprojektion abweicht.

Protokoll vom 28. und 29.09.17

Wir beginnen die Stunde vom 28. September mit der Besprechung der Analyse des Gedichtes ,,Verfall“ von Trakl aus der Epoche des Expressionismus, die der Kurs gemeinsam geschrieben hat.

Dabei macht Herr Meltzow auf einige Aspekte, die bei einer Gedichtanalyse beachtet werden sollten, aufmerksam.

Unter anderem sollte man, wie immer, eine kurze Inhaltsangabe der Strophen machen und dann eine Interpretationshypothese aufstellen, welche durch sprachliche und stilistische Mittel unterstützt wird.

Außerdem sollte man zu Beginn die Gedichtstruktur beschreiben, ihre Wirkung jedoch erst später in der Interpretationshypothese als Unterstützung der Hypothese erläutern.

Weiterhin gibt es einige Anhaltspunkte, die bei der Analyse eines expressionistischen Gedichtes oder allgemein bei einer lyrischen Analyse beachtet werden sollten.

In expressionistischen Gedichten kommt es oft zu einem Bruch, welcher einen kompletten Kontrast zur vorherigen Idylle darstellt (Bsp.: ,,Verfall“ von Trakl).

Durch diesen Bruch in der Stimmung wird auch eine Endlichkeit deutlich, welche den Verfall beschreibt.

Zudem sollte die semantische und syntaktische Entwicklung beachtet werden.

Ein Bruch wird häufig auch durch stumpfe/männliche Kadenzen bestärkt, während weibliche Kadenzen einen fließenden Rhythmus ausdrücken.

Weiterhin sollte in der Lyrik auf Wortfelder geachtet werden, welche die vorliegende Atmosphäre unterstreichen (Bsp.: naturalistische Motive im Gedicht ,,Verfall“ -> nicht zu verwechseln mit der Epoche der Romantik, welche die Natur als Fluchtmöglichkeit ansieht, während der Expressionismus die Motive der Natur in diesem Gedicht als Verstärkung für den Verfall sieht).

In expressionistischen Gedichten wird oft eine bildhafte Sprache verwendet, welche die Vergänglichkeit oder eine Veränderung ausdrückt, wobei der Kern der Dinge immer deutlich hervorgebracht wird.

Im Unterricht haben wir zudem noch einmal wichtige Motive des Expressionismus herausgestellt.

Motive wie z.B.

  • Tod/ das Ende von etwas
  • Verlust
  • Triebhaftigkeit
  • (seelischer) Schmerz

sind Thematik des Expressionismus, welcher unter anderem durch die Industrialisierung entstanden ist.

Um nochmal auf den Vergleich von der Epoche der Romantik und des Expressionismus zurückzukommen, beschreibt die Romantik den Versuch der Entziehung aus der Industrialisierung (Eskapismus), während im Expressionismus die Industrialisierung in den Alltag integriert wurde und es keinen Ausweg gibt, aber sich gegen die Industrialisierung aufgelehnt wird und kritisiert wird.

Zum Ende der Stunde hin haben wir uns das Gemälde ,,Der Schrei“ von Edvard Munch (1893) angeschaut und die Wirkung im Bezug auf den Expressionismus ausgearbeitet.

Aufgrund der ineinanderfließenden Darstellung wird der Zerfall der Umgebung ausgedrückt, welcher das Unbekannte, den Verlust alles Stabilen und des gewohnten Alltags repräsentiert.

Außerdem wird eine gewisse Bedrohung durch die Farben rot, blau und schwarz ausgestrahlt, welche die zuvor genannte Hypothese des Verlustes bestärken.

Die Person, die vorne steht, drückt seine Verzweiflung durch den weit aufgerissenen Mund und die Augen aus. Sie stehen für einen inneren/stummen Schrei, der die Überforderung durch den Wandel der Gesellschaft darstellt.

Zudem haben wir Bezüge zur Industrialisierung, welche die Überforderung und den dadurch ausgelösten Ich-Zerfall, der durch die Deformation der Person dargestellt wird, herausgearbeitet.

Diese sind unter anderem die Armut und die Verstädterung, welche die Menschen damals geprägt haben, wodurch es zum Verlust der Individualisierung kam.

Ein Bezug zu heute ist die Digitalisierung und Globalisierung, welche wir in der Stunde vom 29. September noch einmal genauer betrachtet haben.

Hierzu haben wir ein Schaubild erstellt, in dem wir auf einen interessanten Aspekt zu sprechen kamen.
Wir haben daher diskutiert, ob man heute in Deutschland noch von einer Ausbeutung sprechen kann, da diese früher ein Teil des Umbruches war.

Heutzutage gibt es bessere Arbeitsbedingungen in Deutschland und ein besseres Arbeitsrecht, weshalb man, trotz einem geringen Anteil an Arbeitern unter dem Mindestlohn oder Schwarzarbeit, größtenteils nicht von Ausbeutung sprechen kann. Zumindest nicht von der durch den Arbeitgeber. Dennoch besteht eine Ausbeutung seitens des Kapitals, da börsennotierte Unternehmen unter einem Leistungsdruck stehen. Diese Ausbeutung wird durch ein Verteilungsgefälle ausgelöst.

Der Druck steigt durch die Digitalisierung, welche eine dauerhafte Leistungsbereitschaft fordert (Industrialisierung 4.0).

 

Protokoll vom 14. und 15.09.2017

Protokoll vom 14.09.2017

Die Doppelstunde beginnt damit, dass Herr Meltzow dem Kurs eine Analyse zu Gottfried Benns Gedicht „Nachtcafe“ aus dem Internet vorlegt. Es werden sowohl positive Dinge der Analyse, als auch verbesserungswürdige Punkte herausgestellt. Auch eigene Beobachtungen der Schüler werden zusammengetragen.

Es wird festgehalten, dass es anders als in der Analyse behauptet, nicht hauptsächlich um das treiben der Menschen im Nachtcafe geht, sondern dass es sich um eine Kritik am triebhaften Verhalten der Gesellschaft handelt. Der Kurs stellt heraus das eine Steigerung innerhalb des Gedichts vorliegt. Zu Beginn wird das triebhafte Verhalten der Menschen sehr distanziert beschrieben, wobei jede Strophe eine andere Situation beschreibt. In der sechsten Strophe tritt der Beobachter in den Vordergrund „Zwei Augen brüllen auf. Spritzt nicht das Blut von Chopin in den Saal, damit das Pack drauf rumlatscht!“. Ab diesen Ausruf verändert sich die Stimmung des Gedichts. Zum ersten mal scheint es so als würde das lyrische Ich selbst Opfer des Triebhaften. Als eine Frau in den Raum eintritt, scheinen ihn nur noch seine Gefühle zu treiben (vgl. V. 19-21). Doch in den nächsten zwei Verse erwacht das lyrische Ich aus seinen Träumen und die Herrlichkeit hat ein Ende (vgl. V. 22f).

Die Menschen werden auf ein Merkmal reduziert(„Pickel im Gesicht“ V.5 ; „Fett im Haar“ V.7). Diese Reduktion wird Synekdoche genannt. Dies ist ein Spezialfall einer Metonymie.

Nachdem die Analyse gelesen wurde, wird in einem gemeinsamen Fazit eine Bewertung der Analyse vorgenommen.

Fazit: Der Aufbau der Analyse ist gut und klar erkennbar. Zunächst wird das Thema, wenn auch nicht ganz treffend dargestellt und kurz der formale Aufbau geklärt. Im analytischen Teil werden viele gute sprachliche und stilistische Mittel angesprochen, jedoch wird nicht auf die entstehende Wirkung eingegangen. Form und Inhalt werden zwar gut miteinander verknüpft, jedoch zu selten am Text belegt. Alles in allem wird die Analyse als solide eingestuft.

Im zweiten Teil der Stunde werden, die zu dieser Stunde als Hausaufgabe angefertigten Gedichte der Schüler zunächst in Kleingruppen und anschließend einige exemplarisch dem Kurs präsentiert. Die Gedichte sollten an das Gedicht von Gottfried Benn angelehnt sein und das Thema Schülerdisco behandeln.

Protokoll vom 15.09.2017

In der Einzelstunde werden die Anforderungen an eine Gedichtsanalyse, wie sie in der Klausur gefordert sein könnte zusammengetragen:

  • Einleitung
    • Thema zusammenfassen/ Aufbau
    • kurze Inhaltsangabe
    • Interpretationshypothese aufstellen
  • Hauptteil
    • Wie wird’s gemacht?
    • Sprachliche und stilistische Mittel (Wirkung erläutern!!!)
    • Gestaltungselemente -> dazu Beispiele nennen
    • Struktur des Gedichts ( Bsp. Benn: Steigerung innerhalb des Gedichts)
  • Fazit:
    • Bezug zum beginn der Analyse herstellen( Interpretationshypothese)
    • Warum Expressionistisch?

Anschließend legt Herr Meltzow sein angefertigtes Gedicht à la Benn auf, welches er über den Kurs verfasst hat. Auch hier finden sich viele Metonymien sowie andere sprachliche, als auch stilistische und formale Mittel. Als besonderes Mittel wird ein Chiffre, also ein Bild, das nicht zu 100% aufgeschlüsselt werden kann, verwendet.

Protokoll 01.09.17

Als Beispiel für den Expressionismus beschäftigen wir uns mit dem Werk „Kleine Aster“ von Gottfried Benn.

Es gibt kein Reimschema und kein festes Metrum.

Es wir eine Leichenöffnung eines ertrunkenen Bierfahrers beschrieben, der zwischen den Zähnen eine helldunkellila (Paradoxon) Aster geklemmt hat. Detailliert und nicht beschöningend, in einer neutralen Alltagssprache wird beschrieben wie der Brustkorb geöffnet wird und die Aster in das nebenliegende Gehirn gleitet. Das lyrische Ich plaziert die Aster jedoch in die Holzwolle in der Brusthöhle bevor es die Leiche zunäht.

Es wird ein deutlicher Kontrast erzeugt zwischen den Emotionen des lyrischen Ichs gegenüber der Aster und gegenüber dem Menschen. Während der Umgang mit der Aster sehr liebevoll beschrieben wird: „sie glitt in das nebenliegende Gehirn“ (V. 9) und „Ruhe sanft, kleine Aster“ (V.15) wird der Umgang mit dem Menschen sehr grob beschrieben: „Ein ersoffener Bierfahrer wurde auf den Tisch gestemmt“ (V. 15)  oder „mit einem langen Messer Zunge und Gaumen herausschnitt“ (V.7).

Es erfolgt eine Personifikation der Aster „Trinke dich satt“ (V.14) und eine Depersonalisierung des Menschen.

Dieser Kontrast bewirkt eine Entwürdigung des Todes und dessen religiöse Bedeutung. Dies findet man außerdem auch in anderen Werken von Gottfried Benn wie in „Schöne Jugend“, wodurch Benn auch als Nihilist bezeichnet wird.

Protokoll 31.08.17

In der Stunde fangen wir die Epoche des Expressionismus an, diese ist dem Zeitraum von 1910 bis 1925 zuzuordnen.

Dafür analysieren wir ein Bild von Otto Dix, welches ein Bordell der 20er Jahre darstellt, eine Zeit zu der sich die Menschen nach Vergnügen sehnen. Otto Dix zeigt jedoch die andere, nicht schöne Seite dieser Tendenz und kritisiert somit die Gesellschaft.

An dem Beispiel von Otto Dix erarbeiten wir die Eigenschaften des Expressionismus:

  • Gesellschaftskritik
  • nicht realistisch/subjektive Wahrnehmung
  • nicht beschöningend/ detailliert
  • holt Kern des Themas hervor statt pures Geschehen darzustellen (Wahrhaftigkeit)
  • kein Euphemismus

-> Ästhetik der Hässlichkeit

 

Protokoll vom 08.06.2017

Protokollant: Van Ni Ho

Analysieren Sie den Anfang von Kafkas „Die Verwandlung“ unter besonderer Berücksichtigung der Erzähltechnik. – Hausaufgabe zum 08.06.2017

Zu Beginn der Doppelstunde wurden zwei unterschiedliche Hausaufgaben vorgelesen und wir sind daraufhin auf folgende Aspekte gekommen:

Allgemein ist es bei der Analyse wichtig, die untersuchte Erzähltechnik mit inhaltlichen Aspekten zu verknüpfen.

  •  Subjektivierung Gregors

Es handelt sich am Anfang des Werkes um einen personalen Erzähler, da alle Geschehnisse von Gregor subjektiviert sind. Das heißt, seine Gedanken, Sinneseindrücke und Wertungen sind klar zu erkennen (Innensicht) und der Erzähler steht somit direkt hinter Gregor und betrachtet die Handlungen nur aus Gregors Perspektive. Nichtsdestotrotz gibt es eine Textstelle, in welcher der Erzähler kurz in den Vordergrund kommt: „Samsa war Reisender“ (S.5 Z.14) dient allein zum Verständnis des Lesers. Die Erzählerpräsenz ist also größenteils nicht vorhanden, was kafkaesk ist. Die Handlung ist unklar und wirft viele Fragen auf. Das Erzählverhalten wechselt aber später, da Gregor stirbt.

  • Isolation & Ausschluss Gregors

Weitere wichtige Aspekte waren die Isolation und der Ausschluss Gregors aus der Gesellschaft und seiner eigenen Familie. Die fehlende Kommunikation wird durch das Fehlen von direkter und indirekter Rede Gregors dargestellt. Außerdem ist Gregor nur in der Lage tierische Laute von sich zu geben, gibt aber, nach vergeblichen Versuchen mit seiner Familie zu kommunizieren, auf. Dies führt dann zu einem totalen Kommunikationsbruch.

  • Unmittelbarkeit

Dadurch, dass der Erzähler nicht im Vordergrund steht und keine auktorialen Äußerungen vorhanden sind, hat der Leser eine große Nähe zum Geschehen und ist in der Lage sich in die Situation Gregors zu versetzen. Der Leser ist „gezwungen“ die Geschehnisse selbst zu werten und ist praktisch zusammen mit Gregor in seinem Zimmer eingesperrt. Jedoch kann man trotzdem nicht von einer „vollständigen Identifikation“ mit Gregor sprechen, da die Verwandlung sehr sachlich beschrieben wird und wir diese anders beurteilen würden.

“ Ist Gregor nicht an allem selbst schuld?“ – Diese Frage ist mehrmals in der Doppelstunde gestellt worden und hat letztendlich auch zu einer Diskussion geführt. Gregor hätte sich wehren können, zum Beispiel als sein Vater ihn mit Äpfeln beworfen hat. Er hätte ebenso „menschliche Züge“ zeigen können um die Familienmitglieder davon zu überzeugen, dass er immer noch er selbst ist.

Gregor war aber nicht mehr imstande, all dies auszuführen. Während die Dominanz der restlichen Familienangehörigen immer weiter wächst, vor allem die des Vaters und der Schwester, wird Gregor immer kleiner und wird von den anderen buchstäblich wie ein Ungeziefer behandelt. In Ergänzung dazu wachsen sein Selbsthass und seine Selbstzweifel ebenso an, sodass er keine Motivation mehr hat, sich irgendwie gegen die Dominanz der anderen zu wehren.

Außerdem war seine Beziehung zu seiner Familie vor der Verwandlung noch nie so stark gewesen und jetzt empfinden sie sogar Ekel gegenüber ihm. Gregor weiß, dass sie sein Problem nicht verstehen würden und generell gibt es keinen Raum für Kommunikation. Dies akzeptiert er schnell.

Anschließend wurden ein Tafelbild zur Epischen Erzähltechnik erstellt und eine Präsentation zu der Symbolik in Kafkas „Die Verwandlung“ vorgestellt.

Franz Kafka – Die Verwandlung Symbole

Protokoll vom 01.06.2017

Thema: Erzähltechniken anwenden und analysieren

Protokollant: aibhai

Einleitend stellt Herr Meltzow den Schülern die Frage, wer der Käfer in Goethes Faust sei. Die Schüler kommen relativ eindeutig zu dem Schluss, dass es Gretchen sein muss. Für diese Antwort sammeln sie drei Hauptgründe:

  • das „Über-ich“ (Kirche, Regeln, Verhaltungsnormen, Erwartungen) unterdrücken das „Es“ (Triebe und Libe zu Faust)
  •  Gretchen wird von der gesellschaft ebenso wie Gregor auf die selbe Art und Weise von der Geselschafft isoliert
  • beide sterben am Ende wegen demauf ihnen lastenden Druck, der von der Gesellschaft stammt                                                                                               Im Anschluss folgt die Hausaufgabenbesprechung. Bei der ersten Aufgabenstellung haben die Schüler den Auftrag, Erzählform, -perspektive und -verhalten bei unterschiedlichen Textauszügen zu benennen. Dabei entstehen Kontroversen unter den Schülern, da sich die Erzähltechniken nicht immer zu 100% korrekt zuzuordnen lassen (z. B.: Innen- und Außensicht bei Wolfdietrich Schnurre).                                                                                   Die zweite Aufgabe beinhaltet den Wechsel zwischen unterschiedlichen Annäherungsmöglichkeiten (räumliche bzw. zeitliche Nähe oder Ferne zum Geschehen) sowie den Bedingungen für Subjektivierung bzw. Objektivierung der Darstellung, die beide von der Perspektivenwahl abhängen. Um dies zu erläutern, sammeln die Schüler unterschiedliche Beispiele:
  • der „Ich-Erzähler“ sorgt für besseres Einfühlungsvermögen in die Geschichte
  • der personale Erzähler ermöglicht eine gute Sichtweise auf eine spezielle Person, wobei trotzdem eine gewisse Distanz auf das Geschehen gewahrt wird (Vgl. zu Kamarahaltungen in Filmen)

-> personaler Erzähler subjektiviert

-> auktorialer Erzähler objektiviert

Herr Meltzow lässt die Schüler im zweiten Teil der Stunde selber Texte über den Unterichtsbeginn und seine Verspätung schreiben, damit sie lernen, wie man die Erzähltechniken selbst anwendet und sie anhand anderer Texte erkennt. Marius, Victor und Aibou tragen ihre Texte vor. Nach dem Vorlesen sammeln die Schüler im Plenum die Gemeinsamkeiten (z.B. Ich-Erzähler) und Unterschiede (z.B. satirisches Erzählen).

Am Ende der Stunde schreibt Herr Meltzow die Begriffe „Erzählerpräsenz“ und „Unmittelbarkeit“ an die Tafel. Damit verbunden sind die Distanz des Erzählers zum Zuhörer und die verschiedenen Erzähltechniken, mit denen man auf sensibele Art und Weise in der lage ist, den Zuhörer zu manipulieren.