Protokoll der Deutschstunde am 08.03.2018

Protokoll der Deutschstunde am 08.03.2018

Protokollant: Tomke Kremer

Thema der Stunde: Sprachphänomene in der deutschen Sprache

In der Doppelstunde am 08.03.2018 beschäftigen wir uns mit dem Thema „Sprachphänomene in der deutschen Sprache“. Dazu soll jeder einen Selbsttest ausfüllen, in dem 19 Sätze gegeben sind, die unter den vier Kategorien uneingeschrängt akzeptabel, also sowohl schriftlich als auch mündlich akzeptabel, nur mündlich akzeptabel, eher inakzeptabel  und inakzeptabel einzuordnen sind.

Anschließend vergleichen wir unsere individuellen Einschätzungen, diskutieren über unterschiedliche Bewertungen und fassen zusammen welche Veränderungsprozesse in der deutschen Sprache zu finden sind:

  • Abbau von semantischer Differenzierung (Bsp.: schwer – schwierig)
  • Veränderung der Rechtschreibung (Bsp.: Steffi’s Teeladen)
  • grammatikalische Veränderungen (Bsp.: Verzicht auf Konjunktiv oder Genitiv)
  • Übernahme aus anderen Sprachen (Bsp.: „Das macht keinen Sinn“)
  • syntaktische Veränderungen (Bsp.: „Trotzdem“ als Konjunktion)

Wir sammeln weitere Beispiele Sprachphänomene, die uns selber in unserem Alltag auffallen:

  • harte Verben werden wie schwache Verben konjugiert (Bsp.: anstatt ich frug – ich fragte)
  • Anstatt außer mir – außer ich
  • „es geht sich um“
  • Anstatt „als“ „wie“ / oder „als wie“

Dabei fällt uns auf, dass jeder in der Sprache etwas anderes als richtig empfinde. Wir wenden und also anschließend der Frage, was in der deutschen Sprache „richtig“ oder „falsch“ ist, und durch was dies definiert wird.

Im Duden sind alle Wörter der deutschen Sprache festgehalten, die von einem Großteil der Gesellschaft (also zum Beispiel in der Literatur oder in den Medien) verwendet werden.  Daraus lässt sich schließen, dass sich Sprache und Grammatik ändern. Also können Satzstrukturen damals als „richtig“ angesehen worden sein, die heute jedoch „falsch“ sind und von einigen wieder verwendet werden, wodurch zu erwarten ist, dass diese Form in der Zukunft wieder als „richtig“ angesehen wird, wenn ein Großteil der Gesellschaft diese Verwendung übernimmt.

Für die Frage, warum dennoch einige daran festhalten, Sprache als falsch oder richtig einzuordnen, und für die individuelle Person „falsche“ Verwendung oft ein Gefühl von Wut anregen, haben wir im Unterricht verschiedene mögliche Antworten gesammelt:

  • Gefühl für Aestetik  -> jeder hat seine eigene Ordnung, die er auf Sprache anwendet
  • Abhängig vom Umfeld, in dem man aufwächst
  • verschieden angemessene Sprache in verschiedenen Bereichen (z.B.: schriftliche Verwendug in Klausuren – mündliche Verwendung unter Freunden)
  • Menschen, die sich über Sprache definieren -> Glaube daran, der besseren Schicht anzugehören

Zum Ende der zweiten Unterrichtsstunde  schauen wir das Video „Deutschkurs für Türken – Ladykracher“ (https://www.youtube.com/watch?v=r_Pf7Lycm2E) an, bei dem uns bewusst wird, dass auch Dialekte und Soziolekte eine bedeutende Rolle in der Beeinflussung einer Sprache spielen, und wir oft definierte Sprachmodelle im Kopf bilden, die wir zu verschiedenen Gruppen zuordnen und wir diese Verhaltensweise kritisch in Frage stellen sollten.

 

Protokoll vom 12.01.2018 und 26.01.2018

Aufgabe: Analysieren Sie den Satzbau und die Wortwahl des Auszugs  aus dem Roman „Tauben im Gras“ von Wolfgang Koeppen. Inwiefern stehen die beiden Abschnitte in Beziehung zu einanander?

 

 

Der Erzählanfang des Romans:

1.Abschnitt:

  • Wortfelder von Naturgewalten -> Verbindung mit der Natur: mächtig, unaufhaltsam -> Menschen sind ausgeliefert
  • Bedrohlichkeit durch Hinweise des auktorialen Erzählers
  • Antithesen
  • Apokalyptische Grundstimmung, welche darauf hinweist dass es vermutlich in einer Katastrophe enden wird

 

2.Abschnitt:

  • Leitmotiv:Öl
  • Nachrichten-Montage ->Schlagzeilen werden in Erzählung eingeschoben und unterbrechen diese
  • Situation der Menschen ist gekennzeichnet durch Konflikte und Ängste

 

Fazit: Die beiden Abschnitte des Erzählanfangs  beinhalten beide das Motiv der Flieger , welche den Chaos und die fehlende Harmonie symbolisieren und auf die vorraussichtliche Katastrophe hinweisen.  Zudem behandeln beide Abschnitte die allgemeine Grundstimmung der Gesellschaft, welche von Angst und Ungewissheit geprägt ist, und der Welt ( durch Schlagzeilen).

 

Protokoll vom 26.01.2018

In der Einzelstunde wurde zuerst die Klausur kurz besprochen. Herr Meltzow weiste darauf hin, dass die Schüler viele Punkte verloren haben in der Klausur durch unstrukturierte Gliederungen und fehlenden Textabschnitten wie z.B. dem Fazit. Außerdem fehlten bei vielen Schülern der Überleitungssatz zur nächsten Aufgabe.  Inhaltlich war einigen Schülern in der Klausur auch nicht klar, was in der Analyseaufgabe mit „innerer“ (innere Wünsche, Gefühlslage)  und „äußerer“(Wirklichkeit) Situation genau gemeint war.

Nachdem wir die Klausur besprochen haben, haben wir den Anfang des Romans „Tauben im Gras“ weiter vertieft und die Aufgabe zuerst in Kleingruppen und dann im Plenum besprochen.

Luca sagt, dass die Schlagzeilen einen allgemeinen Überblick von der Welt verschaffen und wie „Highlights“ im Text sind, welche den Lesefluss konstant brechen.

Außerdem wird dadurch eine direkte Dramatik bewirkt, die die allgemeine Grundstimmung verstärkt und ebenfalls Chaos einbringt.

 

Analyse des Sachtextes ,,Hallo – Homestory – Wie man als Mensch, der E-Mails schreibt, einsam wird“

Der Artikel ‚, Hallo? – Homestory – Wie man als Mensch, der E-Mails schreibt, einsam wird‘‘, welcher 2013 von Georg Diez in Der Spiegel erschienen ist, handelt von der Vereinsamung durch die digitalen Medien und der Unverbindlichkeit der Menschen.

Der Autor, Georg Diez, beschreibt eine Situation aus seinem Alltag, als er seinen Freunden eine Nachricht hinterlässt und sich diese nicht bei ihm zurückmelden. Damit verbunden erläutert er die aufkommenden Gedanken und Gefühle, welche von Selbstzweifeln über Wut zu der Hinterfragung der Freundschaft führen. Auf der anderen Seite beleuchtet er die fehlende Kommunikation aus der Sicht der Technik. Zum einen bezeichnet er die Menschen als Marionetten der Technik, während er andersherum die Technik auch als Mittel ansieht, mehr so zu sein, wie man eigentlich ist. Der Mensch entwickelt sich hin zu einem Einzelgänger, der durch die digitalen Medien, eine klare Trennung zwischen sich und dem Rest der Gesellschaft zieht.

In dem ersten Teil seines Artikels berichtet der Autor eine Situation, die er selbst in seinem Alltag erlebt hat. Durch die Beispiele, die der Autor bringt, kann sich vermutlich jeder Leser mit dieser oder einer ähnlichen Situation identifizieren und nachvollziehen, wie man sich fühlt, wenn mit Freunden und Bekannten jegliche Kommunikationsversuche digitaler Art scheitern. Um diesen Eindruck zu verdeutlichen, verwendet er keine Namen, sondern verallgemeinert die Personen durch ,,Freund A‘‘, ,,Kollege B‘‘ und ,,Freund C‘‘ (Z. 4 – 7). Aus den Gefühlen wie zum Beispiel den Selbstzweifeln (Z. 20), die er verstärkt darstellt durch eine Aneinanderreihung verschiedenster Situationen, die er sich vorstellt und wandelnden Gefühlen, sowie der verwendeten Ich-Form aus der Perspektive des Autors, entwickelt sich auf Dauer eine Einsamkeit. Diese beschreibt Georg Diez jedoch als einseitig aus der Sicht des Benachrichtigenden (vgl. Z. 18-19). Die Vereinsamung durch die vielfältigen Möglichkeiten des digitalen Zeitalters wird von dem Autor auch in dem Untertitel des Artikels eingebracht. Er stellt ein gewisses Paradoxon auf, da die Vielfalt der digitalen Kommunikation eigentlich das Gegenteil bewirken sollte, nämlich ein Miteinander und die Freude am Kommunizieren. Dieses betont er ein weiteres Mal in den Zeilen 27 und 28 mit den Worten ,,je mehr geredet, geschrieben und getwittert wird, desto gellender ist die Stille, desto epischer entfaltet sich die Ruhe‘‘. Auch ein Vergleich zu Beginn seines Textes verdeutlicht diese Situation, in welchem er die Kommunikation zur heutigen digitalen Zeit als schwarzes stummes Loch beschreibt, aus dem keine Worte zurückhallen, wenn er selber welche in das Loch wirft (vgl. Z. 1-3).

Im zweiten Teil seines Textes (Z. 41 – 68) bringt er Thesen ein, welche er durch eigene Thesen und Argumente widerlegt (vgl. Z. 41 – 49; Z. 50 – 57; Z. 58 – 61). Er beschreibt den Wandel der Kommunikation hin zu einer ,,Hyperkommunikation‘‘ (Z. 27) und die daraus resultierende Abschottung von den Mitmenschen. Dass dieses Phänomen als ,,Überforderung‘‘ (Z. 50) der Menschen durch das digitale Zeitalter dargestellt wird, empfindet der Autor als eher unpassend, sondern klärt darüber auf, dass die Menschen dadurch eher faul werden (vgl. Z. 63-64) und die Technik über ihr Leben bestimmen lassen (vgl. Z. 53 – 57). Er stellt dem Leser daher eine provokante, rhetorische Frage, ob die Überforderung den Menschen zu Unhöflichkeit verleite. Dadurch versucht er den Leser dazu anzuregen, sein eigenes Handeln zu überdenken und die digitale Kommunikation beziehungsweise deren Nutzen zu hinterfragen. Ein weiterer Aspekt, der die provokative Art des Autors herausstellt, den Leser zum Nachdenken über sein Handeln zu bringen, liegt im Titel des Textes, welcher ,,Hallo?‘‘ lautet. Dadurch regt er Aufmerksamkeit an und ist zudem eine Frage, nach dem Gegenüber, ob dieses überhaupt noch anwesend ist. Dies unterschreibt den Aspekt der Unverbindlichkeit, welche dem Gegenüber die ,,stumme Verachtung‘‘ (Z. 51) erlaubt.

Durch seine Aussage in den Zeilen 62 und 63 versucht er dem Leser deutlich zu machen, dass das Problem allerdings nicht an der Technik liegt, sondern an den Menschen selbst. Sie fühlen sich digital unverbindlich (vgl. Z. 61), doch verändert sich durch die Technik nicht ihre Persönlichkeit, sondern sie zeigen sich als die Person, die sie eigentlich sind.

Daher versucht er durch ein Fazit am Ende den Leser davon zu überzeugen, dass die Technik jedem die Möglichkeit gibt, respektvoll miteinander umzugehen und ein Gespräch zu führen und jeder sich dem bewusst sein sollte und die Möglichkeit nutzen sollte (vgl. Z. 66 – 70).

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass er den Leser versucht, dahin zu lenken, dass er sein Verhalten überdenkt und die digitale Kommunikation als Möglichkeit zur respektvollen Kommunikation nutzt.

Protokoll vom 30.11.17

Zunächst beginnen wir die Doppelstunde am Donnerstag, dem 30.11 indem wir die Szene „Ich wollte mal richtig Taxi“
erneut kurz zusammenfassen und einige Aspekte der vorherigen Stunde wiederholen.

Filmische Elemente in dieser Szene:
– Spiegelstriche entsprechen dem Schnitt im Film
– Taxifahrt entspricht der Kamerafahrt
– Doris beschreibt alles detailliert (Umgebung) —> Sinneseindrücke
– Rückblende zu Beginn —> Zeitsprung/ Flashback

—> Literatur und Film beeinflussen sich gegenseitig

Anschliessend besprechen wir die Hausaufgaben für die heutige Stunde und halten die Thesen der drei Textausschnitte fest:

Leo Tolstoi: Der Film verändert die Literatur
– positiver Wandel der literarischen Kunst durch Anpassung an Film und Leinwand
– Lebensnäherer Schreibstil – schnellerer Szenenwechsel, Ineinander von Gefühl und Erfahrung —> Bewegung

Alfred Döblin:
– komplex, durcheinander, rapide Abläufe —> Gedankensprünge
– Knappheit, Sparsamkeit an Worten
– nicht mehr erzählend
– realitätsnah

Adolph Behne: Der Film als demokratische Kunst
Entwicklung neuer Kunst und Sprache
– einfach, gerade, legitim, exakter, anschaulich, klar
zeitliche Darstellung
– Sprache als Anschauung entwickelt

Nachdem wir die Hausaufgaben besprochen haben stellen wir literarische Texte Filmen gegenüber. Der Film kann (damals, als ein neues Medium) Bild und Ton gleichzeitig miteinander verbinden, was zuvor nicht möglich war.
Mimik & Gestik/ Emotionen und Musik werden sofort miteinander verbunden, während die Literatur dies nicht in derselben Geschwindigkeit schaffen kann, sondern hierfür mehrere Sätze benötigt.
Im Anschluss daran bearbeiten wir in Gruppen eine kreative Aufgabe, wir sollen Doris Taxifahrt als Sequenzplan darstellen.
Am Ende der Stunde besprechen wir die Aufgabe und drei Gruppen präsentieren und stellen ihre unterschiedlichen Ergebnisse vor.

Protokoll vom 14.12.17 und 15.12.17

Die Stunde vom 14.12. beginnt mit der Wiederholung und der Ergänzung der Tabelle zur modernen und traditionellen Erzählweise, wobei diese Tabelle gegliedert wurde in „Weltbild/Werte“, „Metaphysik/Religion“, „Mensch“, „Held“, „Bildung“ und „Darstellungsform“.  Herr Meltzow weist darauf hin, dass die traditionelle und moderne Erzählweise nicht rein zeitlich betrachtet und unterschieden werden dürfen.

Weltbild/Werte:
  • Traditionell: Geschlossen, harmonisch, Gut und Böse ist erkennbar
  • Modern: Gespalten, kompliziert, Werteverfall
Metaphysik/Religion:
  • Traditionell: Religion gibt Werte vor, häufig wird Mythos oder Fiktionalität erst im Laufe der Geschichte klar
  • Modern: Wird Aufgelöst, verliert an Bedeutung, wird zur Förmlichkeit, Realitätsfern, Fiktionalität deutlich
Held:
  • Traditionell: Held aus Oberschicht, Gut, starke Persönlichkeit
  • Modern: Kein Held sondern Protagonist, aus Proletariat, weder Gut noch Böse zuzuordnen, gespalten, orientierungslos (Bezug zu Werteverfall)
Mensch:
  • Traditionell: In Einklang mit Umwelt
  • Modern: Weltoffen, verloren, Anonym
Bildung:
  • Traditionell: Wichtig, Streben nach Bildung, Böses ist triebhaft, Oberschicht gebildeter
  • Modern: Vergnügungssucht, Triebhaft, größere Teile der Gesellschaft sind gebildet
Darstellungsform:
  • Traditionell: Klarer Aufbau, klare Gestaltungsgrenzen, meist chronologisch, gehobene Sprache, häufig auktorialer Erzähler (Distanz zu Geschehen)
  • Modern: Auflösung der Struktur und Vermischung, Montage, komplexe Gliederung, häufig Dialekt oder Jargon, häufig personaler Erzähler (Hineinversetzen in Lage)

Anschließend wurde versucht, Doris‘ Geschichte der traditionellen oder der modernen Erzählweise zuzuordnen, wobei alles auf eine moderne Erzählweise hindeutet:

  • Doris‘ Welt ist nicht harmonisch und geschlossen, sondern kompliziert und gespalten
  • Doris ist als Protagonistin weder Gut noch Böse
  • Sie möchte sich emanzipieren, wobei sie zwei Arten von Vorbildern hat:
    • Schauspielerinnen: sind nicht repräsentativ, da sie eher die Ausnahme darstellen -> unrealistisch
    • Ältere, wohlhabende Damen: Widersprechen ihrem Wunsch nach Emanzipation, da diese lediglich reich heiraten und ihren Erfolg nicht selber erlangen

Herr Meltzow fragt, welche Ratschläge die Schüler aus dem Kurs Doris geben würden und welche Methoden sie nutzt um ihren Erfolg zu erreichen.

Als einzige Methode für das Erreichen ihrer Ziele wurde das „Hochschlafen“, bzw. die Prostitution herausgestellt.

Dabei lassen sich die Ratschläge unterschiedlich zuordnen:

  • Doris sollte selber Erfolge erzielen und sich dabei nicht auf andere verlassen
    • Ratschlag trifft auf Widerspruch, da dies leichter gesagt als getan sei, da es zu der Zeit für Doris schwierig gewesen sei eine vernünftige Arbeit zu finden, mit der sie zufrieden wäre (Arbeit als Sekretärin nicht befriedigend)
  • Doris sollte sich kleinere Ziele setzen um schneller mehr Erfolge zu erreichen (soll Selbstbewusstsein stärken), muss jedoch selber wissen wie sie ihre Ziele erreichen möchte
    • Auch dieser Rat trifft auf Kritik, da Doris jemanden brauche, der ihr ihre Grenzen aufzeigt, da sie durch ihre Methoden ihre Ziele zu erreichen ausgenutzt wird und der Respekt vor ihr verloren geht

=> Zusammenfassend wird festgehalten, dass Doris durch ihre Naivität von Männern ausgenutzt wird, was wiederum auf den Werteverfall, welcher bereits von der Gesellschaft akzeptiert wird, zurückzuführen ist.

 

An diesem Punkt beendet Herr Meltzow die Diskussion und macht einen Sprung in die Literatur der 30er und 40er Jahre und damit in die Zeit der Zensur der Literatur.

Dabei erklärt Herr Meltzow den die zwei unterschiedlichen Typen von Autoren zu dieser Zeit und unterscheidet dabei in die Autoren, die immigrieren (z.B. Juden), und die Autoren, die bleiben und nur innerlich immigrieren (Mit dem Kopf auswandern um auszudrücken, was sie nicht denken dürfen), wobei die Autoren alle instrumentalisiert werden und nur noch schreiben dürfen, was ihnen der Staat vorgibt. Hierbei wird wieder unterschieden in Autoren, die sich dem beugen und die, welche schreiben, jedoch nicht veröffentlichen. Als Beispiele nennt Herr Meltzow hier Thomas Mann, welcher in die Schweiz und schließlich nach Amerika auswanderte, und Berthold Brecht, welcher als Kommunist verfolgt wurde.

Herr Meltzow beschreibt die Diskussion, welche zwischen beiden Typen von Autoren entstand:

Die Autoren, welche blieben und vor Ort waren und ihre Literatur erst nach Kriegsende veröffentlichten, warfen den immigrierten Autoren vor, nur aus der sicheren Ferne beschrieben zu haben.

Anschließend zeigt Herr Meltzow ein Video vom zerstörten Berlin mit der Fragestellung: „Was kann man als Autor jetzt noch schreiben?“ Hierbei gab es verschiedene Ansätze:

  • Beschreibung des Zustand und des Aufbaus der Stadt (Erzählung oder Fiktional)
    • „Trümmerliteratur“
  • Beschreibung der Gefühle und Vorstellungen (z.B. Biographien)
    • „Trümmerliteratur“
  • Utopie über Zukunft
  • Veröffentlichung der bisher verbotenen Literatur aus dem Krieg
  • Dokumentation traumatischer Erlebnisse
  • Kahlschlag in der Literatur, „Stunde 0″, Neuanfang

 

Protokoll vom 15.12.17

Herr Meltzow verteilt das Arbeitsblatt „ Kahlschlag und Trümmerliteratur“ und gibt den Auftrag die Aufgaben zu bearbeiten.

Erläuterungen:

Lila: hier Entweichen des Lebens, metaphorisch

Dickicht: Bereich, der nicht gut zugänglich ist

Rilke-Herz: Rilke: deutscher Dichter, verfasste ergreifende Gedichte

Besprechung der ersten Aufgabe:

„Welches Zeitbewusstsein, welches Lebensgefühl äußert sich in diesen Texten?“

  • Einsamkeit, Trauer
  • Auf sich allein gestellt sein, jedoch trotzdem zusammenhalten (gemeinsames Schicksal)
  • Armut und Tod ist sehr präsent
  • Menschen sehen sich als Verlierer des Kriegs
  • Menschen sehen sich als Opfer des Nationalsozialismus
    • Jedoch: Keine Erleichterung über das Ende des Kriegs, sondern Wut und Trauer über Geschehnisse
  • Die Frage „Wie soll es weiter gehen?“
  • Der Wunsch alles neu aufzubauen
  • Die Autoren fordern, dass nur noch die Wahrheit geschrieben werden soll

 

 

Protokoll 09.11.17

Die Leitfrage der Stunde war, inwiefern der Roman Das Kunstseidene Mädchen in die Epoche der Neuen Sachlichkeit passt.

Der Roman lässt sich der Gebrauchsliteratur zuordnen, er ist also umgangssprachlich verfasst. Dies ist ein wichtiges Merkmal, das man gut in die Epoche einordnen kann. Nach dem Ersten Weltkrieg änderte sich einiges in Deutschland hinsichtlich gesellschaftlicher Stellung von Kunst und Literatur. Diese wurde nun für die Mehrheit der Gesellschaft intellektuell und realisiert zugänglich. Im vorliegenden Roman wird dies durch den einem Tagebuch-ähnlichen Schreibstil deutlich. Dadurch wirkt der Roman authentisch, realistisch und nicht beschönigend. Zudem thematisiert Das Kunstseidene Mädchen wichtige gesellschaftliche und kulturelle Entwicklung der Epoche. Nach dem ersten Weltkrieg schritt der Prozess der Verstädterung schnell fort. Dadurch entwickelten sich europäische Großstädte zu Kultur- und Gesellschaftsmittelpunkten. Dabei spielte nun auch der amerikanische Kultureinfluss eine Rolle, der den Film als neues Medium mit sich brachte. Gesellschaftlicher Aufstieg wurde angestrebt, wie auch von Doris im Roman Das Kunstseidene Mädchen. In Großstädten entstand eine regelrechte Vergnügungssucht. Dabei wirkt diese Entwicklung realitätsfern und abgeschottet von parallel ablaufenden Entwicklung. Neben wachsendem Reichtum herrschte in vielen Teilen Deutschlands und Europas große Armut und Hunger als Folgen des Krieges und der generellen Einfachheit auf dem Land. Dieser Teil der Gesellschaft war sehr konservativ und traditionell  geprägt. Dies brachte neue Probleme hervor, die auch Doris im Roman beschreibt: ihre Heimatstadt und Familie sind eher traditionell, während sie und viele Gleichaltrige gesellschaftlichen Aufstieg und moralische Offenheit anstreben. Frauen hatten rechtlich, wie gesellschaftlich mehr Rechte, was diese Disparitäten nur noch verdeutlicht.

Zusammengefasst kann man sagen, dass der Roman Das Kunstseidene Mädchen sehr gut in die Epoche Neue Sachlichkeit passt. Dabei stellt der Roman viele dieser Eindrücke wie neue Moralvorstellung und gesellschaftlicher Aufstieg aus einer persönlichen und direkten Perspektive dar.

 

Probeklausur

Hier die Übungsklausur zur Vorbereitung auf unsere Klausur am Donnerstag:

D Übungsklausur Keun

Bitte den Erwartungshorizont erst ansehen, wenn ihr Euch an der Analyse versucht habt.

D Übungsklausur Keun EWH

Themen zur Vorbereitung:

  • Prosa der Neuen Sachlichkeit
  • Literarisch-künstlerisches Ideal der Neuen Sachlichkeit
  • Historische Situation in den 20er Jahren (grob)
  • Erzähltechnik des Tagebuch-Stils

Analyse (MEL): S.100, Z.408 – S 101,Z.446 (Abschied von Hubert)

Der vorliegende Auszug aus Irmgard Keuns Roman „Das kunstseidene Mädchen“ von 1932 beschreibt die Abwendung der Protagonistin Doris von ihrer Liebe Hubert und ihre zunehmend einsetzende Hinwendung zu ihrem Ziel eines gesellschaftlichen Aufstiegs durch eine Beziehung zu einem gut situierten Mann.

Thematik, Inhalt und der durch Unmittelbarkeit geprägte Erzählstil deuten darauf hin, dass es sich um einen Roman der neuen Sachlichkeit handelt.

Der Szene geht die Schilderung voraus, in der die Protagonistin Doris zum Direktor des Theaters bestellt wird. Die Ich-Erzählerin vermutet für ihr intrigantes Verhalten zur Rechenschaft gezogen zu werden und entzieht sich, indem sie einen Pelzmantel aus der Garderobe stielt und das Theater fluchtartig verlässt. Überraschend erfährt sie, dass ihre Jugendliebe Hubert sich mit ihr in einem Cafe treffen möchte. Im Anschluss an die vorliegende Textstelle ist Doris bereits nach Berlin geflohen und schildert ihre ersten Eindrücke der Großstadt.

Der vorliegende Textausschnitt beschreibt das Treffen von Doris mit Hubert, der offenbar beruflich gescheitert ist und Doris um finanzielle Hilfe ersucht. Noch bevor Hubert diese Bitte ausspricht, erkennt Doris bereits, dass Hubert sie nicht mehr liebt. Dennoch kommt es zum Beischlaf und einem letzten Versuch von ihr eine Beziehung mit ihm einzugehen. Als sie seine Enttäuschung über ihre ebenfalls problematische pekuniäre Situation realisiert, wendet sie sich mit einem Gefühl des Ekels von ihm ab und verlässt ihn, um schließlich enttäuscht und verwirrt in einem Park umherzuirren.

Die Beziehung zwischen Hubert und Doris erscheint von Anfang an nicht symmetrisch gewesen zu sein. Bereits vor dieser Szene ist deutlich, dass Hubert, der eine Beziehung mit einer zehn Jahre jüngeren Teenagerin eingeht, offenkundig nur ein sexuelles Interesse hat. So offenbart er seine bigotte Doppelmoral, als er Doris aufgrund ihrer einfachen Herkunft und fehlenden Jungfräulichkeit, die er ihr selbst genommen hat, als Gattin ablehnt (Z.230ff). Auch sein Ersuchen um finanzielle Hilfe bei ihrem Wiedersehen spricht für primär egoistische Motive bezüglich der Beziehung zu Doris. Allerdings scheint sich scheint sich das Rollenverhältnis in der vorliegenden Textstelle geändert zu haben, der bisher superiore Hubert ist zum mittellosen Bittsteller geworden. Diese Umkehrung empfindet Doris als „nicht gut“ (Z.400).

Indessen ist für Doris Hubert die erste große Liebe. Durch sein Verhalten setzt allerdings eine zunehmende Desillusionierung und die Erkenntnis, dass Hubert sie nicht heiraten wird ein (vgl. Z.230ff.). Dennoch empfindet sie weiterhin Liebe zu Hubert, um dessen Willen sie vor Therese weint und vor den sie keinesfalls in ihrem Regelmantel treten möchte, weshalb sie die den Pelzmantel stielt.

In der vorliegenden Szene werden ihre ambivalente Gefühlslage und die zunehmende Erkenntnis der Illusion sprachlich zum Ausdruck gebracht. So beschreibt Doris Hubert in bildhafter Sprache als „gestorbene Erinnerung“ (Z.410) und gesteht sich ihre eigene Naivität ein, indem sie ihn als „Photographie“ (Z.412) bezeichnet. Schließlich reduziert sie ihn sogar auf diesen Begriff einer selbst geschaffenen Illusion, wenn sie sagt, dass sie mit „einer Photographie geschlafen hat“ (Z.415). Doris offenbart hier, dass ihre Gefühle einem Traumbild gelten und nicht dem realen Hubert. Dies erscheint charakteristisch für ihre gesamte Situation im Roman, die von der Diskrepanz der tatsächlichen Situation und der Selbstwahrnehmung der Protagonistin geprägt ist.

Ihre emotionale Aufgewühltheit wird in der parataktischen und elliptischen Sprache deutlich, die teilweise in einen Gedankenstrom mündet (vgl. Z.408-419). Zahlreiche asyndetische Reihungen und Chiasmen (Z.410) verstärken diesen Eindruck. Der häufige Einsatz der Konjunktion „und“ zeigt ihre nicht vorhandene Eloquenz, macht ihre Schilderungen aber auch authentisch – ebenso wie ihre bildhafte Sprache. Dies ist typisch für Doris, deren Emotionen sehr unmittelbar geschildert werden. Das Eingeständnis der eigenen, naiven Liebe und ihrer inneren Zerrissenheit drückt sie daher durch metaphorische, sehr assoziative Wendungen aus: „ich wollte Gefühle aus mir reißen für ihn“ (Z.411). Gleichzeitig empfindet sie Scham und bemüht sich ihre Naivität zu überspielen, indem sie ihre sexuelle Hingabe äußerst nüchtern schildert: „und ging dann mit ihm“ (Z.415). Diese und ihr Angebot einer Partnerschaft ohne finanzielle Mittel können als letzter verzweifelter Versuch gedeutet werden, die Gewissheit seiner nicht vorhandenen Liebe für sie zu leugnen.

Als sie schließlich Ekel für Hubert empfindet, dessen Interesse offenbar nur pekuniärer Art ist, verlässt sie ihn fluchtartig. Dabei kann das erwähnte Waschen des Gesichts als Versuch einer geläuterten Abkehr und eines Neuanfangs („macht eine Frau schlecht“, Z.426) gedeutet werden. Doris wendet sich von Hubert ab und gleichzeitig der Erkenntnis zu, dass sie ein neues Leben beginnen muss. Das Aufgreifen der Assoziation des Friedhofs, des Begraben Seins und des Regens (vgl. Z.435) unterstützt diese Deutung. Die Folge ihrer Abkehr von Hubert scheint auch die Abkehr ihres Glaubens an eine Ehe aus Liebe zu sein. So belegt sie diesen Entschluss durch den Aufbau eines pseudomoralischen Gebildes: Sexualität legitimiere sich aus Liebe oder Geld (Z.427). Doris hat gelernt, dass Beziehungen vielschichtige Interessen verfolgen und erheuchelte moralische Bedenken der Durchsetzung des eigenen Vorteils dienen.

Die weitere Darstellung von Doris Verzweiflung wird durch bildhafte Sprache, synästhetische Beschreibungen („die Luft war so weiß und kalt und naß wie ein Bettlaken“, Z.429), beschrieben. Schwäne symbolisieren dabei das Gefühl der Ablehnung durch die Oberschicht.

Keun bedient sich schließlich der aus dem Film bekannten Montagetechnik, indem sie eine ungewöhnliche Assoziationskette (vgl.435f.) verwendet, um Doris Gedanken erneut auf den Pelz zu lenken, den sie gestohlen hat. Dies zeigt ihre Hinwendung zu den Statussymbolen des Reichtums und ihrem Ziel, dieser gesellschaftlichen Schicht anzugehören, was augenscheinlich durch die enttäuschte Liebe zu Hubert verstärkt wird.

Ihr unkritisches Verhalten gegenüber der Welt der Reichen und der Filmstars wird durch ihr Parfum deutlich, welches sie als identitätsstiftendes Merkmal empfindet: „Chypre – was ich bin“ (Z.441). Sie reduziert sich gänzlich auf die äußeren Merkmale des Reichtums. Dies kumuliert in der Personifikation des Pelzmantels und der Projektion ihrer Wünsche auf diesen: „Der Mantel will mich, ich will ihn“, Z.443. Diese Darstellung nimmt groteske Züge an. Der Mantel als Symbol der Glamour-Welt, deren Teil Doris sein möchte, wird dabei schon zuvor deutlich als Ersatz für Hubert und damit für eine erfüllte Liebe gedeutet: „Der Mantel […] hatte mehr schlagendes Herz für mich als Hubert“, Z.403.

Abschließend kann festgehalten werden, dass die Beziehung zu Hubert deutlich macht, in welchem Dilemma sich der neue Frauentyp, dem Doris nacheifert, am Ende der Weimarer Republik befand. Die Abkehr vom traditionellen bürgerlichen Frauenbild zeigt einerseits die Konflikte mit dessen moralischer Bigotterie auf, andererseits die Illusion einer selbstbestimmten, unabhängigen Frau. Doris, die schmerzlich erfahren muss, dass sie von ihrer Liebe Hubert benutzt wurde, nimmt im Verlauf der Romans ihr Leben in die Hand, in dem sie sich in das Getümmel der Großstadt stürzt. Dass ihre Wünsche und Ziele sich als naive Traumwelt entpuppen, ahnt der Leser indessen bereits im vorliegenden Textausschnitt. Die Verhaltensmuster, die sie in der gescheiterten Beziehung zu Hubert erfahren muss, prägen ihre Werte und Idealvorstellungen im Verlauf des weiteren Romans.