Protokoll vom 14.12.17 und 15.12.17

Die Stunde vom 14.12. beginnt mit der Wiederholung und der Ergänzung der Tabelle zur modernen und traditionellen Erzählweise, wobei diese Tabelle gegliedert wurde in „Weltbild/Werte“, „Metaphysik/Religion“, „Mensch“, „Held“, „Bildung“ und „Darstellungsform“.  Herr Meltzow weist darauf hin, dass die traditionelle und moderne Erzählweise nicht rein zeitlich betrachtet und unterschieden werden dürfen.

Weltbild/Werte:
  • Traditionell: Geschlossen, harmonisch, Gut und Böse ist erkennbar
  • Modern: Gespalten, kompliziert, Werteverfall
Metaphysik/Religion:
  • Traditionell: Religion gibt Werte vor, häufig wird Mythos oder Fiktionalität erst im Laufe der Geschichte klar
  • Modern: Wird Aufgelöst, verliert an Bedeutung, wird zur Förmlichkeit, Realitätsfern, Fiktionalität deutlich
Held:
  • Traditionell: Held aus Oberschicht, Gut, starke Persönlichkeit
  • Modern: Kein Held sondern Protagonist, aus Proletariat, weder Gut noch Böse zuzuordnen, gespalten, orientierungslos (Bezug zu Werteverfall)
Mensch:
  • Traditionell: In Einklang mit Umwelt
  • Modern: Weltoffen, verloren, Anonym
Bildung:
  • Traditionell: Wichtig, Streben nach Bildung, Böses ist triebhaft, Oberschicht gebildeter
  • Modern: Vergnügungssucht, Triebhaft, größere Teile der Gesellschaft sind gebildet
Darstellungsform:
  • Traditionell: Klarer Aufbau, klare Gestaltungsgrenzen, meist chronologisch, gehobene Sprache, häufig auktorialer Erzähler (Distanz zu Geschehen)
  • Modern: Auflösung der Struktur und Vermischung, Montage, komplexe Gliederung, häufig Dialekt oder Jargon, häufig personaler Erzähler (Hineinversetzen in Lage)

Anschließend wurde versucht, Doris‘ Geschichte der traditionellen oder der modernen Erzählweise zuzuordnen, wobei alles auf eine moderne Erzählweise hindeutet:

  • Doris‘ Welt ist nicht harmonisch und geschlossen, sondern kompliziert und gespalten
  • Doris ist als Protagonistin weder Gut noch Böse
  • Sie möchte sich emanzipieren, wobei sie zwei Arten von Vorbildern hat:
    • Schauspielerinnen: sind nicht repräsentativ, da sie eher die Ausnahme darstellen -> unrealistisch
    • Ältere, wohlhabende Damen: Widersprechen ihrem Wunsch nach Emanzipation, da diese lediglich reich heiraten und ihren Erfolg nicht selber erlangen

Herr Meltzow fragt, welche Ratschläge die Schüler aus dem Kurs Doris geben würden und welche Methoden sie nutzt um ihren Erfolg zu erreichen.

Als einzige Methode für das Erreichen ihrer Ziele wurde das „Hochschlafen“, bzw. die Prostitution herausgestellt.

Dabei lassen sich die Ratschläge unterschiedlich zuordnen:

  • Doris sollte selber Erfolge erzielen und sich dabei nicht auf andere verlassen
    • Ratschlag trifft auf Widerspruch, da dies leichter gesagt als getan sei, da es zu der Zeit für Doris schwierig gewesen sei eine vernünftige Arbeit zu finden, mit der sie zufrieden wäre (Arbeit als Sekretärin nicht befriedigend)
  • Doris sollte sich kleinere Ziele setzen um schneller mehr Erfolge zu erreichen (soll Selbstbewusstsein stärken), muss jedoch selber wissen wie sie ihre Ziele erreichen möchte
    • Auch dieser Rat trifft auf Kritik, da Doris jemanden brauche, der ihr ihre Grenzen aufzeigt, da sie durch ihre Methoden ihre Ziele zu erreichen ausgenutzt wird und der Respekt vor ihr verloren geht

=> Zusammenfassend wird festgehalten, dass Doris durch ihre Naivität von Männern ausgenutzt wird, was wiederum auf den Werteverfall, welcher bereits von der Gesellschaft akzeptiert wird, zurückzuführen ist.

 

An diesem Punkt beendet Herr Meltzow die Diskussion und macht einen Sprung in die Literatur der 30er und 40er Jahre und damit in die Zeit der Zensur der Literatur.

Dabei erklärt Herr Meltzow den die zwei unterschiedlichen Typen von Autoren zu dieser Zeit und unterscheidet dabei in die Autoren, die immigrieren (z.B. Juden), und die Autoren, die bleiben und nur innerlich immigrieren (Mit dem Kopf auswandern um auszudrücken, was sie nicht denken dürfen), wobei die Autoren alle instrumentalisiert werden und nur noch schreiben dürfen, was ihnen der Staat vorgibt. Hierbei wird wieder unterschieden in Autoren, die sich dem beugen und die, welche schreiben, jedoch nicht veröffentlichen. Als Beispiele nennt Herr Meltzow hier Thomas Mann, welcher in die Schweiz und schließlich nach Amerika auswanderte, und Berthold Brecht, welcher als Kommunist verfolgt wurde.

Herr Meltzow beschreibt die Diskussion, welche zwischen beiden Typen von Autoren entstand:

Die Autoren, welche blieben und vor Ort waren und ihre Literatur erst nach Kriegsende veröffentlichten, warfen den immigrierten Autoren vor, nur aus der sicheren Ferne beschrieben zu haben.

Anschließend zeigt Herr Meltzow ein Video vom zerstörten Berlin mit der Fragestellung: „Was kann man als Autor jetzt noch schreiben?“ Hierbei gab es verschiedene Ansätze:

  • Beschreibung des Zustand und des Aufbaus der Stadt (Erzählung oder Fiktional)
    • „Trümmerliteratur“
  • Beschreibung der Gefühle und Vorstellungen (z.B. Biographien)
    • „Trümmerliteratur“
  • Utopie über Zukunft
  • Veröffentlichung der bisher verbotenen Literatur aus dem Krieg
  • Dokumentation traumatischer Erlebnisse
  • Kahlschlag in der Literatur, „Stunde 0″, Neuanfang

 

Protokoll vom 15.12.17

Herr Meltzow verteilt das Arbeitsblatt „ Kahlschlag und Trümmerliteratur“ und gibt den Auftrag die Aufgaben zu bearbeiten.

Erläuterungen:

Lila: hier Entweichen des Lebens, metaphorisch

Dickicht: Bereich, der nicht gut zugänglich ist

Rilke-Herz: Rilke: deutscher Dichter, verfasste ergreifende Gedichte

Besprechung der ersten Aufgabe:

„Welches Zeitbewusstsein, welches Lebensgefühl äußert sich in diesen Texten?“

  • Einsamkeit, Trauer
  • Auf sich allein gestellt sein, jedoch trotzdem zusammenhalten (gemeinsames Schicksal)
  • Armut und Tod ist sehr präsent
  • Menschen sehen sich als Verlierer des Kriegs
  • Menschen sehen sich als Opfer des Nationalsozialismus
    • Jedoch: Keine Erleichterung über das Ende des Kriegs, sondern Wut und Trauer über Geschehnisse
  • Die Frage „Wie soll es weiter gehen?“
  • Der Wunsch alles neu aufzubauen
  • Die Autoren fordern, dass nur noch die Wahrheit geschrieben werden soll

 

 

Protokoll 09.11.17

Die Leitfrage der Stunde war, inwiefern der Roman Das Kunstseidene Mädchen in die Epoche der Neuen Sachlichkeit passt.

Der Roman lässt sich der Gebrauchsliteratur zuordnen, er ist also umgangssprachlich verfasst. Dies ist ein wichtiges Merkmal, das man gut in die Epoche einordnen kann. Nach dem Ersten Weltkrieg änderte sich einiges in Deutschland hinsichtlich gesellschaftlicher Stellung von Kunst und Literatur. Diese wurde nun für die Mehrheit der Gesellschaft intellektuell und realisiert zugänglich. Im vorliegenden Roman wird dies durch den einem Tagebuch-ähnlichen Schreibstil deutlich. Dadurch wirkt der Roman authentisch, realistisch und nicht beschönigend. Zudem thematisiert Das Kunstseidene Mädchen wichtige gesellschaftliche und kulturelle Entwicklung der Epoche. Nach dem ersten Weltkrieg schritt der Prozess der Verstädterung schnell fort. Dadurch entwickelten sich europäische Großstädte zu Kultur- und Gesellschaftsmittelpunkten. Dabei spielte nun auch der amerikanische Kultureinfluss eine Rolle, der den Film als neues Medium mit sich brachte. Gesellschaftlicher Aufstieg wurde angestrebt, wie auch von Doris im Roman Das Kunstseidene Mädchen. In Großstädten entstand eine regelrechte Vergnügungssucht. Dabei wirkt diese Entwicklung realitätsfern und abgeschottet von parallel ablaufenden Entwicklung. Neben wachsendem Reichtum herrschte in vielen Teilen Deutschlands und Europas große Armut und Hunger als Folgen des Krieges und der generellen Einfachheit auf dem Land. Dieser Teil der Gesellschaft war sehr konservativ und traditionell  geprägt. Dies brachte neue Probleme hervor, die auch Doris im Roman beschreibt: ihre Heimatstadt und Familie sind eher traditionell, während sie und viele Gleichaltrige gesellschaftlichen Aufstieg und moralische Offenheit anstreben. Frauen hatten rechtlich, wie gesellschaftlich mehr Rechte, was diese Disparitäten nur noch verdeutlicht.

Zusammengefasst kann man sagen, dass der Roman Das Kunstseidene Mädchen sehr gut in die Epoche Neue Sachlichkeit passt. Dabei stellt der Roman viele dieser Eindrücke wie neue Moralvorstellung und gesellschaftlicher Aufstieg aus einer persönlichen und direkten Perspektive dar.

 

Probeklausur

Hier die Übungsklausur zur Vorbereitung auf unsere Klausur am Donnerstag:

D Übungsklausur Keun

Bitte den Erwartungshorizont erst ansehen, wenn ihr Euch an der Analyse versucht habt.

D Übungsklausur Keun EWH

Themen zur Vorbereitung:

  • Prosa der Neuen Sachlichkeit
  • Literarisch-künstlerisches Ideal der Neuen Sachlichkeit
  • Historische Situation in den 20er Jahren (grob)
  • Erzähltechnik des Tagebuch-Stils

Analyse (MEL): S.100, Z.408 – S 101,Z.446 (Abschied von Hubert)

Der vorliegende Auszug aus Irmgard Keuns Roman „Das kunstseidene Mädchen“ von 1932 beschreibt die Abwendung der Protagonistin Doris von ihrer Liebe Hubert und ihre zunehmend einsetzende Hinwendung zu ihrem Ziel eines gesellschaftlichen Aufstiegs durch eine Beziehung zu einem gut situierten Mann.

Thematik, Inhalt und der durch Unmittelbarkeit geprägte Erzählstil deuten darauf hin, dass es sich um einen Roman der neuen Sachlichkeit handelt.

Der Szene geht die Schilderung voraus, in der die Protagonistin Doris zum Direktor des Theaters bestellt wird. Die Ich-Erzählerin vermutet für ihr intrigantes Verhalten zur Rechenschaft gezogen zu werden und entzieht sich, indem sie einen Pelzmantel aus der Garderobe stielt und das Theater fluchtartig verlässt. Überraschend erfährt sie, dass ihre Jugendliebe Hubert sich mit ihr in einem Cafe treffen möchte. Im Anschluss an die vorliegende Textstelle ist Doris bereits nach Berlin geflohen und schildert ihre ersten Eindrücke der Großstadt.

Der vorliegende Textausschnitt beschreibt das Treffen von Doris mit Hubert, der offenbar beruflich gescheitert ist und Doris um finanzielle Hilfe ersucht. Noch bevor Hubert diese Bitte ausspricht, erkennt Doris bereits, dass Hubert sie nicht mehr liebt. Dennoch kommt es zum Beischlaf und einem letzten Versuch von ihr eine Beziehung mit ihm einzugehen. Als sie seine Enttäuschung über ihre ebenfalls problematische pekuniäre Situation realisiert, wendet sie sich mit einem Gefühl des Ekels von ihm ab und verlässt ihn, um schließlich enttäuscht und verwirrt in einem Park umherzuirren.

Die Beziehung zwischen Hubert und Doris erscheint von Anfang an nicht symmetrisch gewesen zu sein. Bereits vor dieser Szene ist deutlich, dass Hubert, der eine Beziehung mit einer zehn Jahre jüngeren Teenagerin eingeht, offenkundig nur ein sexuelles Interesse hat. So offenbart er seine bigotte Doppelmoral, als er Doris aufgrund ihrer einfachen Herkunft und fehlenden Jungfräulichkeit, die er ihr selbst genommen hat, als Gattin ablehnt (Z.230ff). Auch sein Ersuchen um finanzielle Hilfe bei ihrem Wiedersehen spricht für primär egoistische Motive bezüglich der Beziehung zu Doris. Allerdings scheint sich scheint sich das Rollenverhältnis in der vorliegenden Textstelle geändert zu haben, der bisher superiore Hubert ist zum mittellosen Bittsteller geworden. Diese Umkehrung empfindet Doris als „nicht gut“ (Z.400).

Indessen ist für Doris Hubert die erste große Liebe. Durch sein Verhalten setzt allerdings eine zunehmende Desillusionierung und die Erkenntnis, dass Hubert sie nicht heiraten wird ein (vgl. Z.230ff.). Dennoch empfindet sie weiterhin Liebe zu Hubert, um dessen Willen sie vor Therese weint und vor den sie keinesfalls in ihrem Regelmantel treten möchte, weshalb sie die den Pelzmantel stielt.

In der vorliegenden Szene werden ihre ambivalente Gefühlslage und die zunehmende Erkenntnis der Illusion sprachlich zum Ausdruck gebracht. So beschreibt Doris Hubert in bildhafter Sprache als „gestorbene Erinnerung“ (Z.410) und gesteht sich ihre eigene Naivität ein, indem sie ihn als „Photographie“ (Z.412) bezeichnet. Schließlich reduziert sie ihn sogar auf diesen Begriff einer selbst geschaffenen Illusion, wenn sie sagt, dass sie mit „einer Photographie geschlafen hat“ (Z.415). Doris offenbart hier, dass ihre Gefühle einem Traumbild gelten und nicht dem realen Hubert. Dies erscheint charakteristisch für ihre gesamte Situation im Roman, die von der Diskrepanz der tatsächlichen Situation und der Selbstwahrnehmung der Protagonistin geprägt ist.

Ihre emotionale Aufgewühltheit wird in der parataktischen und elliptischen Sprache deutlich, die teilweise in einen Gedankenstrom mündet (vgl. Z.408-419). Zahlreiche asyndetische Reihungen und Chiasmen (Z.410) verstärken diesen Eindruck. Der häufige Einsatz der Konjunktion „und“ zeigt ihre nicht vorhandene Eloquenz, macht ihre Schilderungen aber auch authentisch – ebenso wie ihre bildhafte Sprache. Dies ist typisch für Doris, deren Emotionen sehr unmittelbar geschildert werden. Das Eingeständnis der eigenen, naiven Liebe und ihrer inneren Zerrissenheit drückt sie daher durch metaphorische, sehr assoziative Wendungen aus: „ich wollte Gefühle aus mir reißen für ihn“ (Z.411). Gleichzeitig empfindet sie Scham und bemüht sich ihre Naivität zu überspielen, indem sie ihre sexuelle Hingabe äußerst nüchtern schildert: „und ging dann mit ihm“ (Z.415). Diese und ihr Angebot einer Partnerschaft ohne finanzielle Mittel können als letzter verzweifelter Versuch gedeutet werden, die Gewissheit seiner nicht vorhandenen Liebe für sie zu leugnen.

Als sie schließlich Ekel für Hubert empfindet, dessen Interesse offenbar nur pekuniärer Art ist, verlässt sie ihn fluchtartig. Dabei kann das erwähnte Waschen des Gesichts als Versuch einer geläuterten Abkehr und eines Neuanfangs („macht eine Frau schlecht“, Z.426) gedeutet werden. Doris wendet sich von Hubert ab und gleichzeitig der Erkenntnis zu, dass sie ein neues Leben beginnen muss. Das Aufgreifen der Assoziation des Friedhofs, des Begraben Seins und des Regens (vgl. Z.435) unterstützt diese Deutung. Die Folge ihrer Abkehr von Hubert scheint auch die Abkehr ihres Glaubens an eine Ehe aus Liebe zu sein. So belegt sie diesen Entschluss durch den Aufbau eines pseudomoralischen Gebildes: Sexualität legitimiere sich aus Liebe oder Geld (Z.427). Doris hat gelernt, dass Beziehungen vielschichtige Interessen verfolgen und erheuchelte moralische Bedenken der Durchsetzung des eigenen Vorteils dienen.

Die weitere Darstellung von Doris Verzweiflung wird durch bildhafte Sprache, synästhetische Beschreibungen („die Luft war so weiß und kalt und naß wie ein Bettlaken“, Z.429), beschrieben. Schwäne symbolisieren dabei das Gefühl der Ablehnung durch die Oberschicht.

Keun bedient sich schließlich der aus dem Film bekannten Montagetechnik, indem sie eine ungewöhnliche Assoziationskette (vgl.435f.) verwendet, um Doris Gedanken erneut auf den Pelz zu lenken, den sie gestohlen hat. Dies zeigt ihre Hinwendung zu den Statussymbolen des Reichtums und ihrem Ziel, dieser gesellschaftlichen Schicht anzugehören, was augenscheinlich durch die enttäuschte Liebe zu Hubert verstärkt wird.

Ihr unkritisches Verhalten gegenüber der Welt der Reichen und der Filmstars wird durch ihr Parfum deutlich, welches sie als identitätsstiftendes Merkmal empfindet: „Chypre – was ich bin“ (Z.441). Sie reduziert sich gänzlich auf die äußeren Merkmale des Reichtums. Dies kumuliert in der Personifikation des Pelzmantels und der Projektion ihrer Wünsche auf diesen: „Der Mantel will mich, ich will ihn“, Z.443. Diese Darstellung nimmt groteske Züge an. Der Mantel als Symbol der Glamour-Welt, deren Teil Doris sein möchte, wird dabei schon zuvor deutlich als Ersatz für Hubert und damit für eine erfüllte Liebe gedeutet: „Der Mantel […] hatte mehr schlagendes Herz für mich als Hubert“, Z.403.

Abschließend kann festgehalten werden, dass die Beziehung zu Hubert deutlich macht, in welchem Dilemma sich der neue Frauentyp, dem Doris nacheifert, am Ende der Weimarer Republik befand. Die Abkehr vom traditionellen bürgerlichen Frauenbild zeigt einerseits die Konflikte mit dessen moralischer Bigotterie auf, andererseits die Illusion einer selbstbestimmten, unabhängigen Frau. Doris, die schmerzlich erfahren muss, dass sie von ihrer Liebe Hubert benutzt wurde, nimmt im Verlauf der Romans ihr Leben in die Hand, in dem sie sich in das Getümmel der Großstadt stürzt. Dass ihre Wünsche und Ziele sich als naive Traumwelt entpuppen, ahnt der Leser indessen bereits im vorliegenden Textausschnitt. Die Verhaltensmuster, die sie in der gescheiterten Beziehung zu Hubert erfahren muss, prägen ihre Werte und Idealvorstellungen im Verlauf des weiteren Romans.

 

Protokoll vom 12.10.17 und vom 13.10.17

Die Stunde am Donnerstag, dem 12.10.17 begann mit dem neuen Thema, der Kunstrichtung, „Die Neue Sachlichkeit“. Dies ist eine Gegenbewegung zum Expressionismus und kann ungefähr in die Zeitspanne von 1918-1930 eingeordnet werden. Die „Neue Sachlichkeit“ beruht auf einer objektiven und distanzierten Beschreibung und enthält hauptsächlich Ereignisse aus dem bürgerlichen Milieu/ Arbeitermilieu. Sie wird auch als eine Richtung der Literatur der Weimarer Republik bezeichnet. Die Weimarer Republik ist durch die Vermehrung der Rechte, Freiheiten und der Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau gekennzeichnet. Diese Epoche spielt hauptsächlich in Berlin und hatte auch viele Einflüsse auf Musik, Filme etc.

Mit dieser Kunstrichtung wollte man auch die Gleichberechtigung ausbreiten, indem die Literatur nicht mehr wie früher nur für die Intellektuellen war, sondern für alle, weswegen man sie auch Gebrauchsliteratur nennt.

Passend zu dem Thema beschrieben und analysierten wir das Bild „Marcella“ von Christian Schad aus dem Jahre 1926:

Marcella, 1926 - Christian Schad

Obwohl die Ersteindrücke zu Beginn ziemlich kontrovers waren, schien das Bild im Allgemeinen sehr realistisch, emotionslos bzw. nüchtern. Die Frau verdeutlicht die Klarheit und Einfachheit der damaligen Situation und präsentiert das neue Frauenbild der damaligen Zeit.

Das Bild verglichen wir anschließend mit einem Zitat aus derselben Zeit: „Nichts ist verblüffender als die einfache Wahrheit. Nichts ist fantasievoller als die Sachlichkeit.“

Dieses Zitat drückt die Überzeugungskraft der einfachen Realität aus, die keine Übertreibungen nötig hat, um verstanden zu werden. Die Wahrheit wird somit realistisch und nüchtern geschildert. Bezogen auf das Bild „Marcella“ steht die Frau (bzw. der Blick der Frau) für die emotionslose Wahrheit. Der Hintergrund und alle anderen nebenstehenden Dinge sind realistisch und sachlich, also wahrheitsgetreu, abgebildet.

Zusammenfassend dient diese neue Epoche dazu, die Wahrheit anhand von sachlichen Darstellungen und Beschreibungen zu demonstrieren und auf diese aufmerksam zu machen. Die Literatur beruht auf nüchternen, klaren und einfachen Schilderungen.

Da die „Neue Sachlichkeit“ eine Gebrauchsliteratur ist, wurden viele Tagebucheinträge in Form von Romanen veröffentlicht. Der Grund dafür ist, dass Tagebücher meist in einfacher und alltäglicher Sprache geschrieben und somit für Menschen jeder sozialen/gesellschaftliche Klasse verständlich sind. In der zweiten Hälfte der Stunde analysierten wir einen Romananfang, der aus Tagebucheinträgen besteht. Wie zuvor genannt, werden Umgangssprache, wörtliche Rede und Spiegelstriche gebraucht. Diese sprachlichen Auffälligkeiten sind Beweise für das bloße Niederschreiben der Gedanken, ohne diese in gehobene Sprache umzuformulieren. Diese persönliche und einfache Schreibweise enthält ebenso Jargons wie z.B. „Entenpopo“. Die Spiegelstriche stellen den Text sehr assoziativ dar, sodass den Text kein roter Faden durchläuft, weswegen der Text sehr unstrukturiert wirkt, ebenso wie es unsere Gedanken sind. Kurze oder nicht ausformulierte Sätze, Aneinanderreihungen und die häufige Verwendung der Konjunktion „Und“ unterstützen die Wirkung, als sei die gesprochene Sprache aufgeschrieben worden.

Im Allgemeinen ist die Sprache einer einfachen Bürgerin zu erkennen.

In der Deutschstunde an dem Freitag den 13.10.17 analysierten wir denselben Romananfang auf direkte und indirekte Charakteristika der Person Doris.

Doris ist eine 18 Jahre alte, schwarzhaarige, getaufte und christliche junge Dame, die aus dem Arbeitermilieu stammt (vgl. Z.32-33). Sie möchte auf dem gesellschaftlichen Rang aufsteigen  und zu etwas „Besserem“ werden (vgl Z.23-24, Z.25-26, Z. 16). Deswegen ist sie auf ihr Aussehen bezogen perfektionistisch bzw. körperbewusst (vgl Z.26). Im Allgemeinen fällt es ihr schwer „nein“ zu sagen (vgl. Z.6). Sie war ein Mal verliebt (vgl Z.13)und spricht im Gegensatz zu ihren Eltern fast ohne Dialekt (vgl. Z.18-19), was ihr wichtig zu sein scheint.

Indirekt erfahren wir, dass Doris nicht akademisch ist bzw. keinen hohen Bildungsstand besitzt (vgl. Z.37, 46f) und dennoch einen gesellschaftlichen Aufstieg erlangen möchte (vgl Z.18-20). Sie führt einen exzessiven Lebensstil (vgl Z. 5ff), ist realitätsfern (vgl Z.22-23), naiv und träumt viel (vgl. Z. 24, 46-47).

Alles in Allem kann man aus dieser Charakterisierung ableiten, dass Doris‘ Selbstbild nicht mit der Realität übereinstimmt und ihre Lebenssituation sehr von ihrer Zukunftsprojektion abweicht.

Protokoll vom 28. und 29.09.17

Wir beginnen die Stunde vom 28. September mit der Besprechung der Analyse des Gedichtes ,,Verfall“ von Trakl aus der Epoche des Expressionismus, die der Kurs gemeinsam geschrieben hat.

Dabei macht Herr Meltzow auf einige Aspekte, die bei einer Gedichtanalyse beachtet werden sollten, aufmerksam.

Unter anderem sollte man, wie immer, eine kurze Inhaltsangabe der Strophen machen und dann eine Interpretationshypothese aufstellen, welche durch sprachliche und stilistische Mittel unterstützt wird.

Außerdem sollte man zu Beginn die Gedichtstruktur beschreiben, ihre Wirkung jedoch erst später in der Interpretationshypothese als Unterstützung der Hypothese erläutern.

Weiterhin gibt es einige Anhaltspunkte, die bei der Analyse eines expressionistischen Gedichtes oder allgemein bei einer lyrischen Analyse beachtet werden sollten.

In expressionistischen Gedichten kommt es oft zu einem Bruch, welcher einen kompletten Kontrast zur vorherigen Idylle darstellt (Bsp.: ,,Verfall“ von Trakl).

Durch diesen Bruch in der Stimmung wird auch eine Endlichkeit deutlich, welche den Verfall beschreibt.

Zudem sollte die semantische und syntaktische Entwicklung beachtet werden.

Ein Bruch wird häufig auch durch stumpfe/männliche Kadenzen bestärkt, während weibliche Kadenzen einen fließenden Rhythmus ausdrücken.

Weiterhin sollte in der Lyrik auf Wortfelder geachtet werden, welche die vorliegende Atmosphäre unterstreichen (Bsp.: naturalistische Motive im Gedicht ,,Verfall“ -> nicht zu verwechseln mit der Epoche der Romantik, welche die Natur als Fluchtmöglichkeit ansieht, während der Expressionismus die Motive der Natur in diesem Gedicht als Verstärkung für den Verfall sieht).

In expressionistischen Gedichten wird oft eine bildhafte Sprache verwendet, welche die Vergänglichkeit oder eine Veränderung ausdrückt, wobei der Kern der Dinge immer deutlich hervorgebracht wird.

Im Unterricht haben wir zudem noch einmal wichtige Motive des Expressionismus herausgestellt.

Motive wie z.B.

  • Tod/ das Ende von etwas
  • Verlust
  • Triebhaftigkeit
  • (seelischer) Schmerz

sind Thematik des Expressionismus, welcher unter anderem durch die Industrialisierung entstanden ist.

Um nochmal auf den Vergleich von der Epoche der Romantik und des Expressionismus zurückzukommen, beschreibt die Romantik den Versuch der Entziehung aus der Industrialisierung (Eskapismus), während im Expressionismus die Industrialisierung in den Alltag integriert wurde und es keinen Ausweg gibt, aber sich gegen die Industrialisierung aufgelehnt wird und kritisiert wird.

Zum Ende der Stunde hin haben wir uns das Gemälde ,,Der Schrei“ von Edvard Munch (1893) angeschaut und die Wirkung im Bezug auf den Expressionismus ausgearbeitet.

Aufgrund der ineinanderfließenden Darstellung wird der Zerfall der Umgebung ausgedrückt, welcher das Unbekannte, den Verlust alles Stabilen und des gewohnten Alltags repräsentiert.

Außerdem wird eine gewisse Bedrohung durch die Farben rot, blau und schwarz ausgestrahlt, welche die zuvor genannte Hypothese des Verlustes bestärken.

Die Person, die vorne steht, drückt seine Verzweiflung durch den weit aufgerissenen Mund und die Augen aus. Sie stehen für einen inneren/stummen Schrei, der die Überforderung durch den Wandel der Gesellschaft darstellt.

Zudem haben wir Bezüge zur Industrialisierung, welche die Überforderung und den dadurch ausgelösten Ich-Zerfall, der durch die Deformation der Person dargestellt wird, herausgearbeitet.

Diese sind unter anderem die Armut und die Verstädterung, welche die Menschen damals geprägt haben, wodurch es zum Verlust der Individualisierung kam.

Ein Bezug zu heute ist die Digitalisierung und Globalisierung, welche wir in der Stunde vom 29. September noch einmal genauer betrachtet haben.

Hierzu haben wir ein Schaubild erstellt, in dem wir auf einen interessanten Aspekt zu sprechen kamen.
Wir haben daher diskutiert, ob man heute in Deutschland noch von einer Ausbeutung sprechen kann, da diese früher ein Teil des Umbruches war.

Heutzutage gibt es bessere Arbeitsbedingungen in Deutschland und ein besseres Arbeitsrecht, weshalb man, trotz einem geringen Anteil an Arbeitern unter dem Mindestlohn oder Schwarzarbeit, größtenteils nicht von Ausbeutung sprechen kann. Zumindest nicht von der durch den Arbeitgeber. Dennoch besteht eine Ausbeutung seitens des Kapitals, da börsennotierte Unternehmen unter einem Leistungsdruck stehen. Diese Ausbeutung wird durch ein Verteilungsgefälle ausgelöst.

Der Druck steigt durch die Digitalisierung, welche eine dauerhafte Leistungsbereitschaft fordert (Industrialisierung 4.0).

 

Protokoll vom 14. und 15.09.2017

Protokoll vom 14.09.2017

Die Doppelstunde beginnt damit, dass Herr Meltzow dem Kurs eine Analyse zu Gottfried Benns Gedicht „Nachtcafe“ aus dem Internet vorlegt. Es werden sowohl positive Dinge der Analyse, als auch verbesserungswürdige Punkte herausgestellt. Auch eigene Beobachtungen der Schüler werden zusammengetragen.

Es wird festgehalten, dass es anders als in der Analyse behauptet, nicht hauptsächlich um das treiben der Menschen im Nachtcafe geht, sondern dass es sich um eine Kritik am triebhaften Verhalten der Gesellschaft handelt. Der Kurs stellt heraus das eine Steigerung innerhalb des Gedichts vorliegt. Zu Beginn wird das triebhafte Verhalten der Menschen sehr distanziert beschrieben, wobei jede Strophe eine andere Situation beschreibt. In der sechsten Strophe tritt der Beobachter in den Vordergrund „Zwei Augen brüllen auf. Spritzt nicht das Blut von Chopin in den Saal, damit das Pack drauf rumlatscht!“. Ab diesen Ausruf verändert sich die Stimmung des Gedichts. Zum ersten mal scheint es so als würde das lyrische Ich selbst Opfer des Triebhaften. Als eine Frau in den Raum eintritt, scheinen ihn nur noch seine Gefühle zu treiben (vgl. V. 19-21). Doch in den nächsten zwei Verse erwacht das lyrische Ich aus seinen Träumen und die Herrlichkeit hat ein Ende (vgl. V. 22f).

Die Menschen werden auf ein Merkmal reduziert(„Pickel im Gesicht“ V.5 ; „Fett im Haar“ V.7). Diese Reduktion wird Synekdoche genannt. Dies ist ein Spezialfall einer Metonymie.

Nachdem die Analyse gelesen wurde, wird in einem gemeinsamen Fazit eine Bewertung der Analyse vorgenommen.

Fazit: Der Aufbau der Analyse ist gut und klar erkennbar. Zunächst wird das Thema, wenn auch nicht ganz treffend dargestellt und kurz der formale Aufbau geklärt. Im analytischen Teil werden viele gute sprachliche und stilistische Mittel angesprochen, jedoch wird nicht auf die entstehende Wirkung eingegangen. Form und Inhalt werden zwar gut miteinander verknüpft, jedoch zu selten am Text belegt. Alles in allem wird die Analyse als solide eingestuft.

Im zweiten Teil der Stunde werden, die zu dieser Stunde als Hausaufgabe angefertigten Gedichte der Schüler zunächst in Kleingruppen und anschließend einige exemplarisch dem Kurs präsentiert. Die Gedichte sollten an das Gedicht von Gottfried Benn angelehnt sein und das Thema Schülerdisco behandeln.

Protokoll vom 15.09.2017

In der Einzelstunde werden die Anforderungen an eine Gedichtsanalyse, wie sie in der Klausur gefordert sein könnte zusammengetragen:

  • Einleitung
    • Thema zusammenfassen/ Aufbau
    • kurze Inhaltsangabe
    • Interpretationshypothese aufstellen
  • Hauptteil
    • Wie wird’s gemacht?
    • Sprachliche und stilistische Mittel (Wirkung erläutern!!!)
    • Gestaltungselemente -> dazu Beispiele nennen
    • Struktur des Gedichts ( Bsp. Benn: Steigerung innerhalb des Gedichts)
  • Fazit:
    • Bezug zum beginn der Analyse herstellen( Interpretationshypothese)
    • Warum Expressionistisch?

Anschließend legt Herr Meltzow sein angefertigtes Gedicht à la Benn auf, welches er über den Kurs verfasst hat. Auch hier finden sich viele Metonymien sowie andere sprachliche, als auch stilistische und formale Mittel. Als besonderes Mittel wird ein Chiffre, also ein Bild, das nicht zu 100% aufgeschlüsselt werden kann, verwendet.

Protokoll vom 7.9.2017 und 8.9.2017

7.9.2017 – Gedicht von Gottfried Benn, „Kleine Aster“

  1. Wiederholung der Ergebnisse der letzten Stunde
  2. Besprechung der Hausaufgabe:
    A3) – Wiedersprüche: Aster <->Würde <-> Leichnam entblößt
    –>  Grotesk (depersonalisiert)
    – Tod mit Würde –> Leichnam entwürdigt (Z.1)
    – Groteske Beschreibung
    -> Aster als unnahbar
    -> Aster als Symbol für den Himmel
    –> Leben nach dem Tod (-> nihilistisch, zynisch)A4) – Mädchen, dass Tod in einem Schiff gefunden wurde
    – Beide Gedichte entwürdigen den Tod und die Leichen
    – Die Bezeichnungen von Gottfried Benn als Medizyniker und
    Nihilist sind passend.
  3.  Definition: Zynismus -> Denkweise, die durch Spott die Gefühle anderer                                              und gesellschaftliche Konventionen bewusst                                                  verletzt (Provokation)
    Definition: Sarkasmus -> Spöttische und böse Art zu urteilen
  4. Typisch Expressionismus:
    – Umgangssprache
    – Struktur des Textes, Reimschema, nicht klassisch, kein Metrum
    – Allgemeine Thematik
    – nüchtern, provokant, nicht beschönigend
    – „Ästhetik der Hässlichkeit“
    – gesellschaftskritisch
    – Enthüllung des wahren Seins der Dinge, subjektive und antirealistische      Darstellung
    – Gleichzeitigkeiten von Paradoxen und Disparitäten
  5. Nachtcafé: Gottfried Benn
    – Merkmale werden als Menschen dargestellt
    -> Substitution, Ersetzung der Menschen
    – Inhalt: Es geht um das Nachtleben in einem Café, hierbei erzählt jede
    Strophe eine neue Geschichte
    – Die letzte Strophe bekräftigt die Aussage des Gedichts
    – Die Hässlichkeit ergibt sich durch die Triebhaftigkeit der Menschen
    – Besonderheit: kurzer Moment der Freude, als das lyrische Ich eine Dame erblickt die ihm gefällt, er ist kurz aus dem Verstanbd gerissen.

 

 

 

 

8.9.2017

  1. Besprechung der Hausaufgabe:
    Definition Metonymie
    –>

Protokoll 01.09.17

Als Beispiel für den Expressionismus beschäftigen wir uns mit dem Werk „Kleine Aster“ von Gottfried Benn.

Es gibt kein Reimschema und kein festes Metrum.

Es wir eine Leichenöffnung eines ertrunkenen Bierfahrers beschrieben, der zwischen den Zähnen eine helldunkellila (Paradoxon) Aster geklemmt hat. Detailliert und nicht beschöningend, in einer neutralen Alltagssprache wird beschrieben wie der Brustkorb geöffnet wird und die Aster in das nebenliegende Gehirn gleitet. Das lyrische Ich plaziert die Aster jedoch in die Holzwolle in der Brusthöhle bevor es die Leiche zunäht.

Es wird ein deutlicher Kontrast erzeugt zwischen den Emotionen des lyrischen Ichs gegenüber der Aster und gegenüber dem Menschen. Während der Umgang mit der Aster sehr liebevoll beschrieben wird: „sie glitt in das nebenliegende Gehirn“ (V. 9) und „Ruhe sanft, kleine Aster“ (V.15) wird der Umgang mit dem Menschen sehr grob beschrieben: „Ein ersoffener Bierfahrer wurde auf den Tisch gestemmt“ (V. 15)  oder „mit einem langen Messer Zunge und Gaumen herausschnitt“ (V.7).

Es erfolgt eine Personifikation der Aster „Trinke dich satt“ (V.14) und eine Depersonalisierung des Menschen.

Dieser Kontrast bewirkt eine Entwürdigung des Todes und dessen religiöse Bedeutung. Dies findet man außerdem auch in anderen Werken von Gottfried Benn wie in „Schöne Jugend“, wodurch Benn auch als Nihilist bezeichnet wird.