Protokoll vom 08.06.2017

Protokollant: Van Ni Ho

Analysieren Sie den Anfang von Kafkas „Die Verwandlung“ unter besonderer Berücksichtigung der Erzähltechnik. – Hausaufgabe zum 08.06.2017

Zu Beginn der Doppelstunde wurden zwei unterschiedliche Hausaufgaben vorgelesen und wir sind daraufhin auf folgende Aspekte gekommen:

Allgemein ist es bei der Analyse wichtig, die untersuchte Erzähltechnik mit inhaltlichen Aspekten zu verknüpfen.

  •  Subjektivierung Gregors

Es handelt sich am Anfang des Werkes um einen personalen Erzähler, da alle Geschehnisse von Gregor subjektiviert sind. Das heißt, seine Gedanken, Sinneseindrücke und Wertungen sind klar zu erkennen (Innensicht) und der Erzähler steht somit direkt hinter Gregor und betrachtet die Handlungen nur aus Gregors Perspektive. Nichtsdestotrotz gibt es eine Textstelle, in welcher der Erzähler kurz in den Vordergrund kommt: „Samsa war Reisender“ (S.5 Z.14) dient allein zum Verständnis des Lesers. Die Erzählerpräsenz ist also größenteils nicht vorhanden, was kafkaesk ist. Die Handlung ist unklar und wirft viele Fragen auf. Das Erzählverhalten wechselt aber später, da Gregor stirbt.

  • Isolation & Ausschluss Gregors

Weitere wichtige Aspekte waren die Isolation und der Ausschluss Gregors aus der Gesellschaft und seiner eigenen Familie. Die fehlende Kommunikation wird durch das Fehlen von direkter und indirekter Rede Gregors dargestellt. Außerdem ist Gregor nur in der Lage tierische Laute von sich zu geben, gibt aber, nach vergeblichen Versuchen mit seiner Familie zu kommunizieren, auf. Dies führt dann zu einem totalen Kommunikationsbruch.

  • Unmittelbarkeit

Dadurch, dass der Erzähler nicht im Vordergrund steht und keine auktorialen Äußerungen vorhanden sind, hat der Leser eine große Nähe zum Geschehen und ist in der Lage sich in die Situation Gregors zu versetzen. Der Leser ist „gezwungen“ die Geschehnisse selbst zu werten und ist praktisch zusammen mit Gregor in seinem Zimmer eingesperrt. Jedoch kann man trotzdem nicht von einer „vollständigen Identifikation“ mit Gregor sprechen, da die Verwandlung sehr sachlich beschrieben wird und wir diese anders beurteilen würden.

“ Ist Gregor nicht an allem selbst schuld?“ – Diese Frage ist mehrmals in der Doppelstunde gestellt worden und hat letztendlich auch zu einer Diskussion geführt. Gregor hätte sich wehren können, zum Beispiel als sein Vater ihn mit Äpfeln beworfen hat. Er hätte ebenso „menschliche Züge“ zeigen können um die Familienmitglieder davon zu überzeugen, dass er immer noch er selbst ist.

Gregor war aber nicht mehr imstande, all dies auszuführen. Während die Dominanz der restlichen Familienangehörigen immer weiter wächst, vor allem die des Vaters und der Schwester, wird Gregor immer kleiner und wird von den anderen buchstäblich wie ein Ungeziefer behandelt. In Ergänzung dazu wachsen sein Selbsthass und seine Selbstzweifel ebenso an, sodass er keine Motivation mehr hat, sich irgendwie gegen die Dominanz der anderen zu wehren.

Außerdem war seine Beziehung zu seiner Familie vor der Verwandlung noch nie so stark gewesen und jetzt empfinden sie sogar Ekel gegenüber ihm. Gregor weiß, dass sie sein Problem nicht verstehen würden und generell gibt es keinen Raum für Kommunikation. Dies akzeptiert er schnell.

Anschließend wurden ein Tafelbild zur Epischen Erzähltechnik erstellt und eine Präsentation zu der Symbolik in Kafkas „Die Verwandlung“ vorgestellt.

Franz Kafka – Die Verwandlung Symbole