Protokoll vom 14.12.17 und 15.12.17

Die Stunde vom 14.12. beginnt mit der Wiederholung und der Ergänzung der Tabelle zur modernen und traditionellen Erzählweise, wobei diese Tabelle gegliedert wurde in „Weltbild/Werte“, „Metaphysik/Religion“, „Mensch“, „Held“, „Bildung“ und „Darstellungsform“.  Herr Meltzow weist darauf hin, dass die traditionelle und moderne Erzählweise nicht rein zeitlich betrachtet und unterschieden werden dürfen.

Weltbild/Werte:
  • Traditionell: Geschlossen, harmonisch, Gut und Böse ist erkennbar
  • Modern: Gespalten, kompliziert, Werteverfall
Metaphysik/Religion:
  • Traditionell: Religion gibt Werte vor, häufig wird Mythos oder Fiktionalität erst im Laufe der Geschichte klar
  • Modern: Wird Aufgelöst, verliert an Bedeutung, wird zur Förmlichkeit, Realitätsfern, Fiktionalität deutlich
Held:
  • Traditionell: Held aus Oberschicht, Gut, starke Persönlichkeit
  • Modern: Kein Held sondern Protagonist, aus Proletariat, weder Gut noch Böse zuzuordnen, gespalten, orientierungslos (Bezug zu Werteverfall)
Mensch:
  • Traditionell: In Einklang mit Umwelt
  • Modern: Weltoffen, verloren, Anonym
Bildung:
  • Traditionell: Wichtig, Streben nach Bildung, Böses ist triebhaft, Oberschicht gebildeter
  • Modern: Vergnügungssucht, Triebhaft, größere Teile der Gesellschaft sind gebildet
Darstellungsform:
  • Traditionell: Klarer Aufbau, klare Gestaltungsgrenzen, meist chronologisch, gehobene Sprache, häufig auktorialer Erzähler (Distanz zu Geschehen)
  • Modern: Auflösung der Struktur und Vermischung, Montage, komplexe Gliederung, häufig Dialekt oder Jargon, häufig personaler Erzähler (Hineinversetzen in Lage)

Anschließend wurde versucht, Doris‘ Geschichte der traditionellen oder der modernen Erzählweise zuzuordnen, wobei alles auf eine moderne Erzählweise hindeutet:

  • Doris‘ Welt ist nicht harmonisch und geschlossen, sondern kompliziert und gespalten
  • Doris ist als Protagonistin weder Gut noch Böse
  • Sie möchte sich emanzipieren, wobei sie zwei Arten von Vorbildern hat:
    • Schauspielerinnen: sind nicht repräsentativ, da sie eher die Ausnahme darstellen -> unrealistisch
    • Ältere, wohlhabende Damen: Widersprechen ihrem Wunsch nach Emanzipation, da diese lediglich reich heiraten und ihren Erfolg nicht selber erlangen

Herr Meltzow fragt, welche Ratschläge die Schüler aus dem Kurs Doris geben würden und welche Methoden sie nutzt um ihren Erfolg zu erreichen.

Als einzige Methode für das Erreichen ihrer Ziele wurde das „Hochschlafen“, bzw. die Prostitution herausgestellt.

Dabei lassen sich die Ratschläge unterschiedlich zuordnen:

  • Doris sollte selber Erfolge erzielen und sich dabei nicht auf andere verlassen
    • Ratschlag trifft auf Widerspruch, da dies leichter gesagt als getan sei, da es zu der Zeit für Doris schwierig gewesen sei eine vernünftige Arbeit zu finden, mit der sie zufrieden wäre (Arbeit als Sekretärin nicht befriedigend)
  • Doris sollte sich kleinere Ziele setzen um schneller mehr Erfolge zu erreichen (soll Selbstbewusstsein stärken), muss jedoch selber wissen wie sie ihre Ziele erreichen möchte
    • Auch dieser Rat trifft auf Kritik, da Doris jemanden brauche, der ihr ihre Grenzen aufzeigt, da sie durch ihre Methoden ihre Ziele zu erreichen ausgenutzt wird und der Respekt vor ihr verloren geht

=> Zusammenfassend wird festgehalten, dass Doris durch ihre Naivität von Männern ausgenutzt wird, was wiederum auf den Werteverfall, welcher bereits von der Gesellschaft akzeptiert wird, zurückzuführen ist.

 

An diesem Punkt beendet Herr Meltzow die Diskussion und macht einen Sprung in die Literatur der 30er und 40er Jahre und damit in die Zeit der Zensur der Literatur.

Dabei erklärt Herr Meltzow den die zwei unterschiedlichen Typen von Autoren zu dieser Zeit und unterscheidet dabei in die Autoren, die immigrieren (z.B. Juden), und die Autoren, die bleiben und nur innerlich immigrieren (Mit dem Kopf auswandern um auszudrücken, was sie nicht denken dürfen), wobei die Autoren alle instrumentalisiert werden und nur noch schreiben dürfen, was ihnen der Staat vorgibt. Hierbei wird wieder unterschieden in Autoren, die sich dem beugen und die, welche schreiben, jedoch nicht veröffentlichen. Als Beispiele nennt Herr Meltzow hier Thomas Mann, welcher in die Schweiz und schließlich nach Amerika auswanderte, und Berthold Brecht, welcher als Kommunist verfolgt wurde.

Herr Meltzow beschreibt die Diskussion, welche zwischen beiden Typen von Autoren entstand:

Die Autoren, welche blieben und vor Ort waren und ihre Literatur erst nach Kriegsende veröffentlichten, warfen den immigrierten Autoren vor, nur aus der sicheren Ferne beschrieben zu haben.

Anschließend zeigt Herr Meltzow ein Video vom zerstörten Berlin mit der Fragestellung: „Was kann man als Autor jetzt noch schreiben?“ Hierbei gab es verschiedene Ansätze:

  • Beschreibung des Zustand und des Aufbaus der Stadt (Erzählung oder Fiktional)
    • „Trümmerliteratur“
  • Beschreibung der Gefühle und Vorstellungen (z.B. Biographien)
    • „Trümmerliteratur“
  • Utopie über Zukunft
  • Veröffentlichung der bisher verbotenen Literatur aus dem Krieg
  • Dokumentation traumatischer Erlebnisse
  • Kahlschlag in der Literatur, „Stunde 0″, Neuanfang

 

Protokoll vom 15.12.17

Herr Meltzow verteilt das Arbeitsblatt „ Kahlschlag und Trümmerliteratur“ und gibt den Auftrag die Aufgaben zu bearbeiten.

Erläuterungen:

Lila: hier Entweichen des Lebens, metaphorisch

Dickicht: Bereich, der nicht gut zugänglich ist

Rilke-Herz: Rilke: deutscher Dichter, verfasste ergreifende Gedichte

Besprechung der ersten Aufgabe:

„Welches Zeitbewusstsein, welches Lebensgefühl äußert sich in diesen Texten?“

  • Einsamkeit, Trauer
  • Auf sich allein gestellt sein, jedoch trotzdem zusammenhalten (gemeinsames Schicksal)
  • Armut und Tod ist sehr präsent
  • Menschen sehen sich als Verlierer des Kriegs
  • Menschen sehen sich als Opfer des Nationalsozialismus
    • Jedoch: Keine Erleichterung über das Ende des Kriegs, sondern Wut und Trauer über Geschehnisse
  • Die Frage „Wie soll es weiter gehen?“
  • Der Wunsch alles neu aufzubauen
  • Die Autoren fordern, dass nur noch die Wahrheit geschrieben werden soll

 

 

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