Protokoll vom 01.06.2017

Thema: Erzähltechniken anwenden und analysieren

Protokollant: aibhai

Einleitend stellt Herr Meltzow den Schülern die Frage, wer der Käfer in Goethes Faust sei. Die Schüler kommen relativ eindeutig zu dem Schluss, dass es Gretchen sein muss. Für diese Antwort sammeln sie drei Hauptgründe:

  • das „Über-ich“ (Kirche, Regeln, Verhaltungsnormen, Erwartungen) unterdrücken das „Es“ (Triebe und Libe zu Faust)
  •  Gretchen wird von der gesellschaft ebenso wie Gregor auf die selbe Art und Weise von der Geselschafft isoliert
  • beide sterben am Ende wegen demauf ihnen lastenden Druck, der von der Gesellschaft stammt                                                                                               Im Anschluss folgt die Hausaufgabenbesprechung. Bei der ersten Aufgabenstellung haben die Schüler den Auftrag, Erzählform, -perspektive und -verhalten bei unterschiedlichen Textauszügen zu benennen. Dabei entstehen Kontroversen unter den Schülern, da sich die Erzähltechniken nicht immer zu 100% korrekt zuzuordnen lassen (z. B.: Innen- und Außensicht bei Wolfdietrich Schnurre).                                                                                   Die zweite Aufgabe beinhaltet den Wechsel zwischen unterschiedlichen Annäherungsmöglichkeiten (räumliche bzw. zeitliche Nähe oder Ferne zum Geschehen) sowie den Bedingungen für Subjektivierung bzw. Objektivierung der Darstellung, die beide von der Perspektivenwahl abhängen. Um dies zu erläutern, sammeln die Schüler unterschiedliche Beispiele:
  • der „Ich-Erzähler“ sorgt für besseres Einfühlungsvermögen in die Geschichte
  • der personale Erzähler ermöglicht eine gute Sichtweise auf eine spezielle Person, wobei trotzdem eine gewisse Distanz auf das Geschehen gewahrt wird (Vgl. zu Kamarahaltungen in Filmen)

-> personaler Erzähler subjektiviert

-> auktorialer Erzähler objektiviert

Herr Meltzow lässt die Schüler im zweiten Teil der Stunde selber Texte über den Unterichtsbeginn und seine Verspätung schreiben, damit sie lernen, wie man die Erzähltechniken selbst anwendet und sie anhand anderer Texte erkennt. Marius, Victor und Aibou tragen ihre Texte vor. Nach dem Vorlesen sammeln die Schüler im Plenum die Gemeinsamkeiten (z.B. Ich-Erzähler) und Unterschiede (z.B. satirisches Erzählen).

Am Ende der Stunde schreibt Herr Meltzow die Begriffe „Erzählerpräsenz“ und „Unmittelbarkeit“ an die Tafel. Damit verbunden sind die Distanz des Erzählers zum Zuhörer und die verschiedenen Erzähltechniken, mit denen man auf sensibele Art und Weise in der lage ist, den Zuhörer zu manipulieren.

Hausaufgabe Delux

Hausaufgabe –  Sachtextanalyse zu „Wiedersehen mit Whorf“                      von aibhai

Dieter E. Zimmer überprüft in seinem Sachtext, „Wiedersehen mit Whorf“, der ein Auszug aus seinem Buch „So kommt der Mensch zur Sprache“, welches 2008 vom Verlag Heyne in München veröffentlicht wurde, ist, das linguistisch Relativitätsprinzip von Benjamin Lee Whorf auf seine Richtigkeit.

Zimmer positioniert sich in seinem Text klar als Bestreiter des Relativitätsprinzips, allerdings ist es nicht sein Ziel an die Leserschaft zu appellieren, sondern schreibt fast ausschließlich informierend.

Eröffnend spricht sich der Autor direkt gegen Whorfs Hypothese aus. Seine Meinung ist, dass sich Sprachen nicht groß voneinander unterscheiden. Aus seiner Sicht nehmen alle Leute durch ihre verschiedenen Sprachen größtenteils das Selbe wahr. Ein „Sprachorgan“, jeder Mensch besitzt, helfe Sprache zu verbalisieren und lasse alle Menschen aufgrund identischer grammatikalischer Strukturen ungefähr gleich denken. Er gibt zu, dass Wortkategorien existieren, die nicht wortwörtlich übersetzbar seien, aber hebt hervor, dass Großteile von Sprachen genauso in andere Sprachen übertragbar seien. Anschließend betont er, dass Sprache zwar das Denken vereinfachen könne, aber nicht für das Denken notwendig sei. Daraufhin erläutert er, dass alle Sprachen einen gemeinsamen Ursprung haben und beendet seinen Text mit der Aussage, die Sprachforschung stünde noch ganz am Anfang.

 

Zimmer geht in seinem Text bei seiner Argumentation, wie er es selbst in Zeile 112 sagt, empirisch vor.

Mit dem ersten Satz oder besser gesagt mit der ersten Frage, die rhetorisch gestellt ist (Z1), und der selbstgebenden Antwort auf diese Frage bringt er seine Meinung und seine Bewertung von Whorfs Relativitätsprinzip direkt auf den Punkt. Er stellt Whorfs Hypothese als schlichtweg falsch dar und formuliert im Anschluss (Z2) seine Zentralthese, dass sich die Sprachen nicht unterscheiden. Das ist eine ziemlich starke und heftige Exposition für einen Sachtext, weil er die Whorf-Hypothese schlecht macht und damit etwas persönlich wird, was für einen Sachtext unüblich ist. Allerdings sichert er sich somit die ungeteilte Aufmerksamkeit der Leserschaft.

Seine erste Nebenthese steht in Zeile 3-5, wo er sagt, dass alle mehr oder weniger dieselbe Wahrnehmung der Welt besitzen. Dies resultiere seiner Meinung nach daher, weil jeder ein Sprachorgan besitzt, welches eine Art Universalgrammatik herstellt, die in jeder Sprache gleich ist. Daher würden Menschen in identischen Situationen identisch reagieren. Es entstehen also keine großen Unterschiede. Die Nebenthese wird also an der Stelle von einem Kausalitätsargument begründet, welches allerdings nicht weiter ausgeführt wird. Der treffende „Babel-Vergleich“ (Z8) trägt zur Erregung des Weiterlesens bei, weil sich der biblische Turm, an dem alle Völker eine andere Sprache sprechen und sich daher nicht verständigen können, sehr gut auf das Kausalitätsargument übertragen lässt. Außerdem bringt der Leser durch die Bibel Gott mit seiner Argumentation in Verbindung, was eine Art Autoritätsargument darstellt, wie es stärker nicht sein könnte. Dies mag etwas zu sehr interpretiert sein, wird aber sicher dem Einzelnen genauso ergehen.

In Zeile 19 fällt die Verwendung des Personalpronomens „wir“ auf, was ein Gemeinschaftsgefühl beim Leserbewirken soll und ihn angesprochen und involviert fühlen lassen soll. Die Verwendung dieses Wortes ist auch deshalb noch wichtig, weil der Leser dadurch denkt, dass er selbst und alle anderen auch das tun, was der Autor beschreibt (in diesem Fall ordnen alle die Welt nach natürlichen Prinzipien).Das „wir“ stärkt daher auch den Wahrheitsgehalt der Aussage, zumindest erweckt es den Anschein.

Die anfänglich benannte Nebenthese wird in Zeile 22-26 von einem indirekten Argument weiter aufgebaut. Das indirekte Argument soll die eigene These überzeugender aussehen lassen, indem es die Gegenseite entkräftet.  Und genau das ist es das ist es, was Zimmer tut. Er behauptet nämlich, dass nur weil Kulturen bestimmte Lebensbereiche etwas differenzieren, das nicht heißen muss, die Menschen hätten verschiedene Wahrnehmungen oder Gedankengänge. Auch dieses Argument wird von einem Beispiel untermauert. Dieses ist ironischer weise wieder eine Widerlegung von Whorfs Theorie.  Das Beispiel (Z27-38) bestreitet, dass die Vielfältigkeit der Begriffe für konkrete Gegenstände von der Sprache abhängig sei. Dies wird dadurch gezeigt, dass Eskimos bloß zwei Wörter für Schnee haben.  Das Beispiel mit den Eskimos wird von Zimmer nebenbei auch noch abgewertet, weil er im Voraus schon sagt, dass es sowieso nur ein (wissenschafts-)Gerücht sei. Das heißt, dass Whorf das Beispiel in keinem Fall mehr benutzen kann, weil es eben nur ein Gerücht ist. Abschließend zu seiner Nebenthese attackiert Zimmer Whorf, indem er ihm unterstellt „falsch“ (Z38) zu liegen. In Zeile 40-41 wird dies durch die Korrektur bezüglich des „Bedarfs“ bekräftigt. Das alles trägt zu Unglaubwürdigkeit bei.

In Zeile 42-46 formuliert er eine zweite Nebenthese, dass alle Sprachen konkrete Begriffe zwar ähnlich, abstrakte Begriffe jedoch nicht zwingend ähnlich definieren. Dies komme daher, weil di Bedeutung und der Ursprung eines Wortes .In der Kulturgeschichte der Sprache und des Landes liege. Dies stärkt er wieder mit Beispielen (Z 57-64), dass jeder wesentliche Begriff wie „Baum“ übersetzen könne. Allerdings seien Wörter wie „Aufklärung“ in jeder Sprache anders klassifiziert oder überhaupt nicht erst vorhanden.  Zimmer benutzt das Possessivpronomen „unser[er]“ (Z53), so dass auch hier wieder der Leser den Eindruck hat, das Beschrieben sei wahr, weil er selbst es tue. Zimmers Schlussfolgerung daraus lautet, dass Whorfs Hypothese (Sprache formt und drückt Gedanken/das Denken aus) nicht komplett falsch sei (Z66). Diese Schlussfolgerung wird durch ein Plausibilitätsargument (Z70-78)gestärkt und dem Leser durch einen ausführlichen Gedankengang näher gebracht. Damit der Gedankengang leichter nachzuvollziehen ist, baut Zimmer viele Kohärenzen wie „also“ (Z66), „auch“(Z72), „je…desto“(Z67-68) etc. ein. Anschließend benutzt er viele Parallelismen, die denselben Satzaufbau haben (Z71-78). Das Personalpronomen „man“ widerholt sich häufig (Z73, 75,76). Diese Gleichmäßigkeit hat zur Folge, dass der Text eingängiger auf den Leser wirkt. Der Beleg in Zeile 78-81 stützt das Plausibilitäztsargument. Beenden tut er die zweite Nebenthese durch Feststellung, dass die Verbalisierung das Denken zwar erleichtere aber für das Denken nicht notwendig sei.

Die dritte Nebenthese schreibt er in Zeile 92-94. Diese nennt er als wichtigsten Grund für das gemeinsame Denken, dass alle Sprachen ein ähnliches Fundament haben.  Natürlich wird auch diese These wieder von einem Argument gestützt. Das Faktenargument (Z95-100) soll unstrittig nachweisen, dass die These stimmt. Es sagt aus, dass alle Sprachen von ähnlich kognitiven Systemen geformt würden. Auf diese Weise entstehen ähnliche Worte, so dass sich die Sprachen nicht allzu stark voneinander unterscheiden.  Dies gilt laut Zimmer aber nicht für abstrakte Begriffe, wo die Kulturgeschichte manche Begriffe nicht übersetzbar gemacht habe.  Zimmer gibt Whorf im Endeffekt also mit sehr starken Einschränkungen Recht.

Am Ende des Textes sagt er, dass alles, was er bisher beschrieben hat, induktiv bewiesen worden sei, aber nicht zu 100% feststehe. Er sagt, dass die Sprachwissenschaft ein noch sehr junges, unerforschtes und vor allem fast unmögliches Themengebietsei. Letzteres belegt er wieder mit einem Autoritätsargument, indem er eine Autorität zitiert und seine These durch einen weithin akzeptierten Expertengestützt wird.

Protokoll vom 08.09.2016

Protokollant: aibhai

Thema: Spracherwerbstheorien erschließen und beurteilen ( Teil 2 )

 

 

Die Stunde beginnt mit dem Vortrag der zwei letzten Gruppen, die ihre Spracherwerbstheorien vorstellen. Der „Kognitivismus“ und der „Nativismus“ werden erklärt.

 

Kognitivismus:

Was ist der Kognitivismus?

Der Spracherwerb ist eine besondere Anwendung des allgemein geistigen Zugewinns. Es gibt daher kein Organ, welches ausschließlich für die Sprache, ihr Erlernen und ihre Anwendung, fokusiert ist. Vielmehr geht der Kognitivismus von einem einzigen, allgemeinen, kognitivem Organ aus, das zwar auch für Sprache, aber ebenfalls für logisches Denken und Ähnliches zuständig ist. Der Spracherwerb unterliegt indirekt genetischer Kontrolle, weil die Prinzipien menschlicher Kognition genetisch vorgegeben sind.           Es gibt also kein explizites Sprachorgan, sondern nur genetische Vorraussetzungen.

 

Wie verläuft der Kognitivismus?

  1. Das Kind sammelt durch die Sinne ganzheitliche Erfahrungen in der Umwelt.
  2. Diese Erfahrungen werden in Vorstellungen und innere Abbildungen umgesetzt.
  3. Symbolisierung durch ein Wort.
  4. Auf Basis der gesammelten Erfahrungen erlangt das Kind zunehmend die Fähigkeit abstrakt zu denken.

 

wichtig: Parallel zum Prozess des Spracherwerbs verläuft die geistige Reifung.

 

Nativismus (Funktionsweise & Verlauf):

Der Nativismus, entwickelt vom Sprachwissenschaftler Noam Chomsky, setzt sich aus zweierlei Sachen zusammen, dem „Input“ und dem „Vorwissen“. Der Input basiert fast ausschließlich auf der Aufnahme der Sprachkenntnisse aus der Außenwelt. Das Vorwissen ist im Gegensatz zum Input nichts, das man erlernt, sondern eine gentische Veranlagung. Gemeint ist ein Sprachorgan, in dem die Grundregeln der Grammatik angelegt sind.

Aus den zwei Grundbausteinen resultiert der Spracherwerb und rekursive Regeln fangen langsam an, zu reifen. Alles, was das Kind von sich gibt, wird dann als „Output“ bezeichnet.

wichtig: Sprache ist so komplex, dass im Menschen universelle Regeln veranlagt sind. Im Gegensatz zu uns kann künstliche Intelligenz Sprache kaum ansatzweise erfassen.

 

Nach Fragenklärung und einem riesen Applaus für die Kognitivismusgruppe diskutieren wir darüber, welche Theorie am (un-)überzeugendsten ist:

  • Kritikpunkte am Nativismus: Jedes Kind muss laut dem Nativismus gewisse (grammatikalische) Vorkenntnisse zum Spracherwerb besitzen. Jana meint aber, dass das nicht sein könne, weil jedes Kind in der Lage sei, jede Sprache zu erlernen. Und weil es (grammatikalische) Unterschiede zwischen Sprachen gebe, könne der Nativismus nicht korrekt sein, da sonst jeder Mensch die Veranlagungen zu jeder Sprache hätte.

—-> Einwand: Hr. Melzow und Anna entgegnen, es gebe eine Art                        „Universalgrammatik“, die bei allen Sprachen gleich sei.

  • Schüler nennen ihre favorisierten Ideen und begründen diese. Jedoch wird schnell klar, dass es nicht möglich ist, anhand einer simpelen Theorie die sehr komplexe Sprache zu erklären.

———–> Fazit:                                                                                                        Der ontogenetische Spracherwerb ist nicht nur durch eine Theorie zu erklären, sondern durch eine Kombination der verschiedenen Modelle. Sprachinput und Output-Kompetenz sind obligatorisch.

Protoll vom 05.09.2016

Protokollant: aibhai

Thema: Spracherwerbstheorien erschließen und beurteilen (Teil 1)

 

Wir setzen uns zur Hausaufgabenbesprechung in die vier Gruppen, die sich alle in der vorherigen Stunde mit einer Spracherwerbstheorie befasst haben. In den Gruppen werden die Aufgaben zu den jeweiligen Spracherwerbstheorien kurz schriftlich zusammengefasst, so dass sie im Anschluss vor dem Kurs präsentiert werden können. Die Theorien des „Behaviorismus“ und des „Interaktionismus“ werden vorgestellt.

 

Behaviorismus:

Was ist der Behaviorismus?

  • Kinder imitieren Erwachsenensprache nicht im großen Maße.
  • Kinder entnehmen der Sprache Regeln, um neue, nie dagewesene Sätze zu bilden.
  • Manchmal lernen Kinder häufig gehörte Dinge viel langsamer als selten Gehörtes

 

Wie verläuft der Behaviorismus?

  1. Kinder erwerben universellen Lernmechanismus.
  2. Kinder imitieren die Erwachsenensprache.
  3. Kinder verknüpfen Wörter nach relativen Häufigkeiten zu Sätzen.
  4. Kinder erwerben Sprachmodell.

 

Kritikpunkt an der Theorie: Es gibt keine Möglichkeiten für Wortneuschöpfungen, die ein Kind eigentlich entwickeln müsste!

 

 

 

Interaktionismus:

Was ist der Interaktionismus/Wie verläuft er?

Mütter sprechen aufgrund des eingeschränkten Verständnissvermögens der Kinder in einer vereinfachten, aber grammatikalisch korrekten Sprache. Dies tun Mütter und Väter, weil im Interaktionismus davon ausgegangen wird, dass Kinder Sprache nur schwer verstehen, wenn man mit ihnen auf Hochdeutsch kommuniziert. Der Interaktionismus geht nur von zwei genetischen Veranlagungen aus, die zum Spracherwerb wichtig sind, der Verarbeitungskapazität und der Auffassungsgabe.

Bsp.:  Schau mal, da ist ein Hund. = Oh, ein Wau Wau!

—> onomatopoetischer Sprachgebrauch