Analyse des Sachtextes ,,Hallo – Homestory – Wie man als Mensch, der E-Mails schreibt, einsam wird“

Der Artikel ‚, Hallo? – Homestory – Wie man als Mensch, der E-Mails schreibt, einsam wird‘‘, welcher 2013 von Georg Diez in Der Spiegel erschienen ist, handelt von der Vereinsamung durch die digitalen Medien und der Unverbindlichkeit der Menschen.

Der Autor, Georg Diez, beschreibt eine Situation aus seinem Alltag, als er seinen Freunden eine Nachricht hinterlässt und sich diese nicht bei ihm zurückmelden. Damit verbunden erläutert er die aufkommenden Gedanken und Gefühle, welche von Selbstzweifeln über Wut zu der Hinterfragung der Freundschaft führen. Auf der anderen Seite beleuchtet er die fehlende Kommunikation aus der Sicht der Technik. Zum einen bezeichnet er die Menschen als Marionetten der Technik, während er andersherum die Technik auch als Mittel ansieht, mehr so zu sein, wie man eigentlich ist. Der Mensch entwickelt sich hin zu einem Einzelgänger, der durch die digitalen Medien, eine klare Trennung zwischen sich und dem Rest der Gesellschaft zieht.

In dem ersten Teil seines Artikels berichtet der Autor eine Situation, die er selbst in seinem Alltag erlebt hat. Durch die Beispiele, die der Autor bringt, kann sich vermutlich jeder Leser mit dieser oder einer ähnlichen Situation identifizieren und nachvollziehen, wie man sich fühlt, wenn mit Freunden und Bekannten jegliche Kommunikationsversuche digitaler Art scheitern. Um diesen Eindruck zu verdeutlichen, verwendet er keine Namen, sondern verallgemeinert die Personen durch ,,Freund A‘‘, ,,Kollege B‘‘ und ,,Freund C‘‘ (Z. 4 – 7). Aus den Gefühlen wie zum Beispiel den Selbstzweifeln (Z. 20), die er verstärkt darstellt durch eine Aneinanderreihung verschiedenster Situationen, die er sich vorstellt und wandelnden Gefühlen, sowie der verwendeten Ich-Form aus der Perspektive des Autors, entwickelt sich auf Dauer eine Einsamkeit. Diese beschreibt Georg Diez jedoch als einseitig aus der Sicht des Benachrichtigenden (vgl. Z. 18-19). Die Vereinsamung durch die vielfältigen Möglichkeiten des digitalen Zeitalters wird von dem Autor auch in dem Untertitel des Artikels eingebracht. Er stellt ein gewisses Paradoxon auf, da die Vielfalt der digitalen Kommunikation eigentlich das Gegenteil bewirken sollte, nämlich ein Miteinander und die Freude am Kommunizieren. Dieses betont er ein weiteres Mal in den Zeilen 27 und 28 mit den Worten ,,je mehr geredet, geschrieben und getwittert wird, desto gellender ist die Stille, desto epischer entfaltet sich die Ruhe‘‘. Auch ein Vergleich zu Beginn seines Textes verdeutlicht diese Situation, in welchem er die Kommunikation zur heutigen digitalen Zeit als schwarzes stummes Loch beschreibt, aus dem keine Worte zurückhallen, wenn er selber welche in das Loch wirft (vgl. Z. 1-3).

Im zweiten Teil seines Textes (Z. 41 – 68) bringt er Thesen ein, welche er durch eigene Thesen und Argumente widerlegt (vgl. Z. 41 – 49; Z. 50 – 57; Z. 58 – 61). Er beschreibt den Wandel der Kommunikation hin zu einer ,,Hyperkommunikation‘‘ (Z. 27) und die daraus resultierende Abschottung von den Mitmenschen. Dass dieses Phänomen als ,,Überforderung‘‘ (Z. 50) der Menschen durch das digitale Zeitalter dargestellt wird, empfindet der Autor als eher unpassend, sondern klärt darüber auf, dass die Menschen dadurch eher faul werden (vgl. Z. 63-64) und die Technik über ihr Leben bestimmen lassen (vgl. Z. 53 – 57). Er stellt dem Leser daher eine provokante, rhetorische Frage, ob die Überforderung den Menschen zu Unhöflichkeit verleite. Dadurch versucht er den Leser dazu anzuregen, sein eigenes Handeln zu überdenken und die digitale Kommunikation beziehungsweise deren Nutzen zu hinterfragen. Ein weiterer Aspekt, der die provokative Art des Autors herausstellt, den Leser zum Nachdenken über sein Handeln zu bringen, liegt im Titel des Textes, welcher ,,Hallo?‘‘ lautet. Dadurch regt er Aufmerksamkeit an und ist zudem eine Frage, nach dem Gegenüber, ob dieses überhaupt noch anwesend ist. Dies unterschreibt den Aspekt der Unverbindlichkeit, welche dem Gegenüber die ,,stumme Verachtung‘‘ (Z. 51) erlaubt.

Durch seine Aussage in den Zeilen 62 und 63 versucht er dem Leser deutlich zu machen, dass das Problem allerdings nicht an der Technik liegt, sondern an den Menschen selbst. Sie fühlen sich digital unverbindlich (vgl. Z. 61), doch verändert sich durch die Technik nicht ihre Persönlichkeit, sondern sie zeigen sich als die Person, die sie eigentlich sind.

Daher versucht er durch ein Fazit am Ende den Leser davon zu überzeugen, dass die Technik jedem die Möglichkeit gibt, respektvoll miteinander umzugehen und ein Gespräch zu führen und jeder sich dem bewusst sein sollte und die Möglichkeit nutzen sollte (vgl. Z. 66 – 70).

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass er den Leser versucht, dahin zu lenken, dass er sein Verhalten überdenkt und die digitale Kommunikation als Möglichkeit zur respektvollen Kommunikation nutzt.

Protokoll vom 28. und 29.09.17

Wir beginnen die Stunde vom 28. September mit der Besprechung der Analyse des Gedichtes ,,Verfall“ von Trakl aus der Epoche des Expressionismus, die der Kurs gemeinsam geschrieben hat.

Dabei macht Herr Meltzow auf einige Aspekte, die bei einer Gedichtanalyse beachtet werden sollten, aufmerksam.

Unter anderem sollte man, wie immer, eine kurze Inhaltsangabe der Strophen machen und dann eine Interpretationshypothese aufstellen, welche durch sprachliche und stilistische Mittel unterstützt wird.

Außerdem sollte man zu Beginn die Gedichtstruktur beschreiben, ihre Wirkung jedoch erst später in der Interpretationshypothese als Unterstützung der Hypothese erläutern.

Weiterhin gibt es einige Anhaltspunkte, die bei der Analyse eines expressionistischen Gedichtes oder allgemein bei einer lyrischen Analyse beachtet werden sollten.

In expressionistischen Gedichten kommt es oft zu einem Bruch, welcher einen kompletten Kontrast zur vorherigen Idylle darstellt (Bsp.: ,,Verfall“ von Trakl).

Durch diesen Bruch in der Stimmung wird auch eine Endlichkeit deutlich, welche den Verfall beschreibt.

Zudem sollte die semantische und syntaktische Entwicklung beachtet werden.

Ein Bruch wird häufig auch durch stumpfe/männliche Kadenzen bestärkt, während weibliche Kadenzen einen fließenden Rhythmus ausdrücken.

Weiterhin sollte in der Lyrik auf Wortfelder geachtet werden, welche die vorliegende Atmosphäre unterstreichen (Bsp.: naturalistische Motive im Gedicht ,,Verfall“ -> nicht zu verwechseln mit der Epoche der Romantik, welche die Natur als Fluchtmöglichkeit ansieht, während der Expressionismus die Motive der Natur in diesem Gedicht als Verstärkung für den Verfall sieht).

In expressionistischen Gedichten wird oft eine bildhafte Sprache verwendet, welche die Vergänglichkeit oder eine Veränderung ausdrückt, wobei der Kern der Dinge immer deutlich hervorgebracht wird.

Im Unterricht haben wir zudem noch einmal wichtige Motive des Expressionismus herausgestellt.

Motive wie z.B.

  • Tod/ das Ende von etwas
  • Verlust
  • Triebhaftigkeit
  • (seelischer) Schmerz

sind Thematik des Expressionismus, welcher unter anderem durch die Industrialisierung entstanden ist.

Um nochmal auf den Vergleich von der Epoche der Romantik und des Expressionismus zurückzukommen, beschreibt die Romantik den Versuch der Entziehung aus der Industrialisierung (Eskapismus), während im Expressionismus die Industrialisierung in den Alltag integriert wurde und es keinen Ausweg gibt, aber sich gegen die Industrialisierung aufgelehnt wird und kritisiert wird.

Zum Ende der Stunde hin haben wir uns das Gemälde ,,Der Schrei“ von Edvard Munch (1893) angeschaut und die Wirkung im Bezug auf den Expressionismus ausgearbeitet.

Aufgrund der ineinanderfließenden Darstellung wird der Zerfall der Umgebung ausgedrückt, welcher das Unbekannte, den Verlust alles Stabilen und des gewohnten Alltags repräsentiert.

Außerdem wird eine gewisse Bedrohung durch die Farben rot, blau und schwarz ausgestrahlt, welche die zuvor genannte Hypothese des Verlustes bestärken.

Die Person, die vorne steht, drückt seine Verzweiflung durch den weit aufgerissenen Mund und die Augen aus. Sie stehen für einen inneren/stummen Schrei, der die Überforderung durch den Wandel der Gesellschaft darstellt.

Zudem haben wir Bezüge zur Industrialisierung, welche die Überforderung und den dadurch ausgelösten Ich-Zerfall, der durch die Deformation der Person dargestellt wird, herausgearbeitet.

Diese sind unter anderem die Armut und die Verstädterung, welche die Menschen damals geprägt haben, wodurch es zum Verlust der Individualisierung kam.

Ein Bezug zu heute ist die Digitalisierung und Globalisierung, welche wir in der Stunde vom 29. September noch einmal genauer betrachtet haben.

Hierzu haben wir ein Schaubild erstellt, in dem wir auf einen interessanten Aspekt zu sprechen kamen.
Wir haben daher diskutiert, ob man heute in Deutschland noch von einer Ausbeutung sprechen kann, da diese früher ein Teil des Umbruches war.

Heutzutage gibt es bessere Arbeitsbedingungen in Deutschland und ein besseres Arbeitsrecht, weshalb man, trotz einem geringen Anteil an Arbeitern unter dem Mindestlohn oder Schwarzarbeit, größtenteils nicht von Ausbeutung sprechen kann. Zumindest nicht von der durch den Arbeitgeber. Dennoch besteht eine Ausbeutung seitens des Kapitals, da börsennotierte Unternehmen unter einem Leistungsdruck stehen. Diese Ausbeutung wird durch ein Verteilungsgefälle ausgelöst.

Der Druck steigt durch die Digitalisierung, welche eine dauerhafte Leistungsbereitschaft fordert (Industrialisierung 4.0).

 

Protokoll vom 16.03.2017

Protokollant: Chiara Wendorff

Thema der Stunde: Gedichtanalyse (des Gedichts ,,Der Spinnerin Mondnacht“)

Wir beginnen die Stunde am 16.03 mit einer Fragerunde zum Thema Gedichtanalyse. Dabei klären wir relevante Aspekte für die Klausur, in der wir ein Gedicht aus der Epoche der Romantik analysieren werden.

In der Zusammenfassung des Gedichtes sollen keine Details genannt werden, sondern allgemeine Beobachtungen geschildert werden. (Beispiel: Ortsangabe des lyrischen Ichs)

Zuerst gehen wir auf Merkmale eines Gedichtes ein. Zu beachten ist unter anderem der Schreibstil. Beim Zeilenstil endet der Inhalt beispielsweise mit dem Ende eines Verses. Beim Hakenstil breitet sich ein Satz über mehrere Verse aus, also mehrere Enjambements ineinander verhakt. Außerdem müssen in der Klausur das Reimschema und Kadenzen beachtet werden. Es gibt sowohl weibliche als auch männliche Kadenzen.

Bei einer weiblichen Kadenz ist die letzte Silbe eines Verses unbetont (Bsp.: Lüfte)

Dagegen ist bei einer männlichen Kadenz die letzte Silbe eines Verses betont (Bsp.: Band)

Weiterhin sprechen wir über Brüche und Einschnitte. Bei einem Bruch verändert sich zum Beispiel das Reimschema oder der Inhalt und bleibt dann bis zum Ende des Gedichtes in der Form des Bruches. Wenn man von einem Einschnitt spricht, gibt es eine Änderung für einen Vers oder eine Strophe, nach welcher man dann wieder zur ursprünglichen Form zurückkehrt.

Danach sprechen wir über das Vorgehen bei einer Gedichtanalyse und die Schritte zu dessen Vorbereitung. Zuerst sollte man das Gedicht mehrfach lesen und dabei Auffälligkeiten in der Struktur markieren. Zum Beispiel, ob und wie die Strophen und Verse inhaltlich zusammenpassen. Dann sollte man noch auf Bilder, Assoziationen und Stimmungen achten, die beim Lesen des Gedichtes durch verschiedene Worte ausgelöst werden. Dabei kann man auch schon eine erste Interpretationshypothese erstellen. Dazu gehört, die Stimmung oder Gefühle des lyrischen Ichs aus dem Gedicht heraus zu interpretieren.

In der zweiten Stunde bekommen wir das Gedicht ,,Der Spinnerin Mondnacht“ von Clemens Brentano, bei welchem wir die Schritte zur Vorbereitung eines Gedichtes anwenden sollen.

Allgemein kann gesagt werden, dass das Gedicht aus sechs Strophen mit jeweils vier Versen besteht. Das Reimschema ist durchgehend ein umarmender Reim und das Metrum ist der Jambus. Außerdem ist jede Strophe in zwei weibliche und 2 männliche Kadenzen eingeteilt. Jeweils die äußeren Verse einer Strophe beinhalten eine weibliche Kadenz und die inneren Verse einer Strophe sind männliche Kadenzen.

Danach stellen wir Motive und Hypothesen zu dem Gedicht. Dabei fällt auf, dass Strophe eins, drei und fünf von der Vergangenheit des lyrischen Ichs handeln. Die aufgestellte Hypothese zu diesen Strophen ist, dass das lyrische Ich an jemanden denkt und diese Person vermisst. Das sich wiederholende Motiv ist die Nachtigall, welche ein naturalistisches Motiv der Epoche der Romantik ist (vgl. V. 2; V. 10; V. 18).

Ein weiterer Aspekt ist, dass die weiblichen Kadenzen die männlichen Kadenzen umarmen, woraus wir die Hypothese aufstellen, dass die Spinnerin beziehungsweise das lyrische Ich, sich nach einem verstorbenen Mann sehnt.

In den Strophen zwei, vier und sechs wird die Gegenwart verkörpert, sowie auch Zukunftsgedanken. Unter anderem findet sich in Strophe zwei das Spinnrad, welches für den Teufelskreis steht, in dem sich das lyrische Ich befindet und kein Entrinnen daraus findet. Die zyklische Entwicklung wird auch durch die Wahl der Worte am Versende der weiblichen Kadenzen deutlich (Vgl. weinen, scheinen, scheinen, vereinen, vereinen, weinen). Sie wünscht sich mit der Person, die sie vermisst, wieder vereint zu sein.

Außerdem befindet sich dort das Motiv des Mondes, welches auch ein naturalistisches Bild ist, welches zu der Epoche der Romantik gehört. Dadurch wird auch ein Bild von Sentimentalität und Melancholie vermittelt.

Ein letztes Motiv ist das von dem vereinenden Gott, wodurch Zukunftsgedanken ausgedrückt werden. Eine aufgestellte Hypothese dazu ist, dass sie sich nach dem Tod sehnt, um mit dem Verstorbenen zusammen zu sein.